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Der furiose Angriff des »Anti-Ödipus« auf die Psychoanalyse als Wissenschaft und institutionalisierte Praxis hat in Frankreich intensive und umfangreiche Verteidigungen und Gegenangriffe ausgelöst. Demgegenüber scheinen die Reaktionen hierzulande eher durch massive Verständnisbarrieren bestimmt zu sein. Die Folgen sind Ratlosigkeit, vorschnelles Aburteilen oder epigonales Mitschwimmen. Ich möchte deshalb versuchen, einige Hindernisse aus dem Weg zu räumen, von denen ich glaube, daß sie den Zugang zu diesem (ungeachtet mancher grundsätzlicher Vorbehalte) für mich faszinierenden Buch verstellen können.
Man kann wohl zwischen den durch Titel und Untertitel des Buches bezeichneten Komplexen eine Bedingungslinie konstruieren. Die Kritik an der Psychoanalyse und ihrer Fixierung auf »Ödipus« wird begründet im Verhältnis von Kapitalismus und Schizophrenie. Damit meinen die Autoren: die Psychoanalyse ist insofern ein Produkt des Kapitalismus, als sie einen »schizophrenen« Untergrund unter den menschlichen Handlungen und Äußerungen freilegt, aber zugleich verleugnet, und damit eine realhistorische Bewegung des Kapitalismus in der Psyche bloß nachzeichnet. Die »Schizophrenie«, das Delirium, dessen Inhalt, anders als der der Neurose, nicht der Familienroman, sondern soziale und technische Gebilde, die Völker, die Geschichte sind, wird dabei zur Grenzlinie, an der sich die Kräfte einer kapitalistischen Deformierung und die eines Widerstandes gegen sie treffen und überschneiden. »Schizophrenie« ist hier also keine nosologische Einheit, sondern ein anthropologisches, gleichwohl nicht-anthropomorphes Substrat, dessen prozessuales Wesen zwischen revolutionärer Flucht und Stillstand, zwischen Wunschartikulation und Repression, zwischen politischer Befreiung und Hospitalismus oszilliert.
Was sich zunächst als heilloses Verwischen aller Grenzen zwischen Psychiatrie, Psychoanalyse, Ökonomie und Politik ausnehmen mag, beansprucht freilich in der Tat nicht weniger, als ein