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In Heft 39 vom 27. September 1979 brachte das Deutsche Ärzteblatt (Köln) einen Beitrag von Christa Meves, Psychagogin, zu einem uns Psychotherapeuten wohlbekannten und uns beunruhigenden Thema »Schulstreß und die Folgen« (S. 2469-2472), in dem die Zunahme seelisch bedingter Lernstörungen bei Schulkindern kommentiert wird. Dieser Beitrag kann durch pseudowissenschaftliche Argumentation falsche Vorstellungen wecken und bedarf deshalb einer Richtigstellung.
Frau Meves läuft offene Türen ein, wenn sie fordert, Kinder für eine optimale Entwicklung körperlich und seelisch altersgemäß zu beanspruchen; niemand wird das bestreiten. Die Schwierigkeit beginnnt da, wo »Eustress« von »Distress« im Sinne der von Frau Meves herangezogenen Adaptationslehre von Selye unterschieden werden soll; Frau Meves umgeht diese Schwierigkeit.
Sie stellt epidemiologische Behauptungen auf; sie will eine Zunahme bestimmter krankhafter Störungen in der Bevölkerung, nämlich seelisch bedingter Schulprobleme bei Kindern, die wir alle kennen, zu bestimmten gesellschaftlichen Institutionen (Schulen, Schulverwaltungen etc.) in Beziehung setzen, bleibt aber jeden Beweis schuldig und erschöpft sich in plakativen Behauptungen. Manche der nosologischen Zuordnungen in diesem Beitrag befremden den Psychotherapeuten, z. B. wenn sie »die Kategorie der Adipösen, der nägelbeißenden Enuretiker, der kleinen Diebe — das Heer der neurotisch Depressiven« zusammenfaßt und erklärt, diese seien durch Schulforderungen nicht mehr verstörbar. Diese Behauptung ist nicht nur unhaltbar, sondern durch den abwertenden Beiklang auch bedenklich. Frau Meves erweckt den Eindruck, als ob Schulängste hauptsächlich ein Phänomen der letzten 10 Jahre seien. Bedeutende Zeugnisse aus der deutschen Literatur geben ein anderes Bild: Gottfried Keller, Thomas Mann, Hermann Hesse, um nur einige zu nennen.
Wer soll nun an all dem schuld sein? »… ein unterwandertes Schulwesen, das … manche Jugendlichen direkt in die Fänge der Unterwanderer treibt.«