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Daß unter Umständen sogar ein hervorragendes Buch über Familienforschung und -therapie schwer assimilierbar, schwer auf die eigene Praxis anwendbar sein kann, zeigt der Band »Paradoxon und Gegenparadoxon« aus dem Mailänder Arbeitsteam um Mara Selvini Palazzoli. So groß das Vergnügen ist, ihn zu lesen, so sehr überwiegt der Eindruck, daß vier aufeinander eingespielte Therapeuten hier ein Verfahren erarbeitet haben, dem allenfalls der Wert eines Paradigmas zukommt: Der Einfallsreichtum, mit dem sie dem paradoxen Familienverhalten ihr »Gegenparadoxon« entgegensetzen, läßt sich wohl kaum kopieren. Aber die Schärfe und Genauigkeit der in dem Band verarbeiteten Erfahrung ist groß: am prägnantesten vielleicht in der Verhaltensbeschreibung von Familienmitgliedern, die — obwohl anwesend — gleichzeitig abwesend sind. Der Betreffende »signalisiert, daß diese Beziehung nicht mehr zu ertragen ist, daß er schon gegangen ist, auch wenn er körperlich noch da ist, freilich als ein anderer, ein Außenstehender, ein Fremder« (S. 42); gleichzeitig aber wird den Angehörigen (oder den Therapeuten) zu verstehen gegeben, daß sie hilfreich nur sein könnten, wenn sie wären, was sie nicht sind: »Ich existiere nicht, und daher existierst du auch nicht« (S. 121). Ich könnte mir denken, daß diejenigen Leser, die sich von der Lektüre keine unmittelbare Handlungsanweisung erwarten, den größten Gewinn von diesem Buch haben werden — selbst dann, wenn sie sich weiterhin in aller Bescheidenheit mit der überkommenen Einzelbehandlung begnügen wollen oder müssen.