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Aus der Sicht der Bundesrepublik — wo in weiten Kreisen, bis in Analytiker-Kreise hinein, das Mißverständnis grassiert, ein “Borderline” sei stets ein potentieller Psychotiker — ist dieses Buch, neben Kernbergs Monographie, ein Meilenstein. Es ist noch nicht lange her, daß angehenden Analytikern von erfahrenen Kollegen geraten wurde, Borderline-verdächtige Symptome ihrer Patienten möglichst gar nicht zu beachten, sie nicht “hochzuspielen” — dem auf der Couch liegenden Patienten mit andern Worten jenen kleinen elektrischen Schlag zu versetzen, der ihm anzeigt, daß unsichtbare, ihm zwar unbekannte, aber nichtsdestoweniger existente Grenzen berührt worden sind. Die Folge ist unweigerlich, daß der Patient — ich denke hier beispielsweise an einen Fall mit quälenden, immer wiederkehrenden Anfällen von Depersonalisation — sich wegen dieses Symptoms als “ungezogen” und zugleich “gefährdet” erlebt und notgedrungen, um des Überlebens willen gleichsam, eine Technik erlernt, sein Kernsymptom aus der Analyse herauszuhalten.
“Meiner Ansicht nach sollte man die Symptome des Borderline-Patienten nicht nach dem Psychose-Modell zu verstehen suchen”, heißt es demgegenüber bei André Green, der als einziger fremdsprachiger Gast an der Konferenz (Topeka 1976) teilnahm, der das Material des Buches entstammt. Während die Schizophrenie — als das Paradigma einer endogenen Psychose — durch radikalen Besetzungsentzug charakterisiert ist (man vergleiche Freuds Ausführungen zum Fall Schreber), kennzeichnet den Borderline-Fall ein “Niemandsland zwischen gesund und krank” (S. 16), eine “weder-Ja-noch-Nein-Struktur”, die sich in dem Gefühl niederschlägt, das Objekt sei zugleich real und nicht-real (S. 21). Green trägt der überragenden Bedeutung Kernbergs in der Erforschung der Borderline-Pathologie Rechnung und rekapituliert dessen Auffassung, daß der Borderline-Struktur die Unfähigkeit zugrunde liegt, gute und böse Objekt- und Selbstrepräsentanzen in Einklang miteinander zu bringen, sie zu syntheti