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»Auch wenn ich meine Überzeugung gleich offen bekenne, daß Literatur eine wichtige Rolle auch im künftigen Unterricht hat”, schreiben die Herausgeber der Reihe in seiner Einleitung, »so wird man von mir doch kaum laienhaft erdachte Rezepturen erwarten, wie man Hanno Buddenbrook oder den Malte Laurids Brigge mit Schülern anders als unter Erwachsenen liest und wie man Vierzehnjährige mit Stifters >Nachsommer< nicht quält«. Die Problematik des Deutschunterrichtes und Deutschaufsatzes, von dem Wilhelm II. einst befand, daß er »eines der wünschbarsten Erziehungsinstrumente sei« (S. 17), wird mit diesen Worten bereits zur Genüge umrissen, und man versteht, daß es den beiden Hauptautoren und Versuchsleitern — mit je einer Gymnasialklasse im Arbeiterbezirk Neukölln (Eggert) und Citybezirk Charlottenburg (Rutschky) — um etwas grundsätzlich anderes ging als um jenes berühmte Bett des Prokrustes, in das sowohl Literatur wie Schüler hineingezwängt wurden. Darum also geht es nicht, sondern um ein Ernstnehmen und Aufbauen auf der Tatsache, daß in der deutschen Geschichte die Literatur und deren Aufschwünge stellvertretend für jene nicht stattgehabte Revolution stehen, von der Alexander Mitscherlich gesagt hat, daß sie offenbar schwer durch etwas anderes ersetzbar sei. Literatur also als »Zeugnis eines ziemlich schonungslosen Selbstbefreiungsversuches (…), der dem deutschen Bürgertum, anders als dem westeuropäischen, nicht auf dem politischen Felde, sondern eben nur in den kühnsten Gestaltungen ideenträchtiger Phantasie von Fall zu Fall gelang« (S. 12). Es gilt also, auch im Deutschunterricht Ausdrucksmöglichkeiten zu finden, die dieser grundlegenden Tatsache Rechnung tragen und den Schüler etwas von diesem Befreiungsversuch spüren lassen. Literarisches Rollenspiel — etwa die Aufgabe, in Analogie zum Sendschreiben Luthers einen Brief an Michael Kohlhaas zu verfassen und dabei die Perspektive einer historischen oder fiktiven Figur zu wählen — beruht ja auf der Herstellung einer Ide