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Nach der etwas mühsamen Lektüre des langen und manchmal trockenen ersten Teils haben wir ein wenig verwundert festgestellt, daß in uns ein lebendiges, für die Praxis anregendes Konzept für die Differenzierung affektiver Erscheinungen entstanden war. Der im Gegensatz dazu viel lebendigere zweite, klinische Teil beschäftigt sich im wesentlichen mit der psychotischen Depression. Dabei liegt das Schwergewicht auf der Darstellung der manisch-depressiven Form und ihrer Abgrenzung von den depressiven Zuständen bei schizophrenen und Borderline-Patienten. — Wir beschränken uns im folgenden darauf, aus der Fülle des Materials sehr subjektiv einige Aspekte herauszugreifen: Über die Auseinandersetzung mit anderen affekttheoretischen Ansätzen kommt Jacobson zu folgender Einteilung der Affekte: 1) Einfache und zusammengesetzte Affekte, die durch intrasystemische Spannungen entstehen. Als Beispiel erwähnt sie die sexuelle Erregung oder Wut, die unmittelbar von Spannungen im Es herrühren. 2) Einfache und zusammengesetzte Affekte, die durch intersystemische Spannungen ausgelöst werden. Dazu gehören z. B. Affekte, die durch Spannung zwischen Ich und Über-Ich hervorgerufen werden, wie Schuldgefühle. Den grundlegenden theoretischen Wert dieser Einteilung sieht J. darin, daß es dadurch möglich wird, den jeweiligen Affekttyp unter dynamischen und strukturellen Gesichtspunkten annähernd festzulegen. Dabei ist zu bedenken, daß die meisten Affekte zusammengesetzt sind aus intersystemischen und intrasystemischen Spannungskomponenten. (Um allerdings die Bedeutung eines Affekts wirklich verstehen zu können, ist eine gleichzeitige Untersuchung der mit ihm verknüpften Wahrnehmungserlebnisse und der bewußt und unbewußt ablaufenden Vorstellungen notwendig.)
Bei der Untersuchung des Orgasmus — eines Lusterlebnisses, das »Spannungslust, höhepunktartige Erregungslust und Entspannungslust umfaßt« — kommt J. zu der Hypothese, daß Konstanz- und Lustprinzip nicht gegeneinander stehen, sondern gleichsinnig