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»Es geschieht oft, daß die Begabungen eines Kindes (Intensität der Gefühle, Erlebnistiefe, Neugier, Intelligenz und Wachheit, die natürliche Kritik einschließt) seine Eltern mit Konflikten konfrontieren, die diese seit langem mit Regeln und Vorschriften abzuwehren suchten.« Der erste Teil des Titels »Das Drama des begabten Kindes …« bezieht sich auf diese Feststellung der Autorin. Das sensible und begabte Kind kann einerseits seine Eltern in der eben geschilderten Weise irritieren, gleichzeitig entwickelt es aber eine besondere Fähigkeit bei dem Versuch, die Wünsche der Eltern zu erspüren und damit schließlich auch »sein wahres Selbst« zu verleugnen. Auf diese Gefahr weist auch der weitere Titel »… und die Suche nach dem wahren Selbst« hin, der sich allerdings über die hier behandelten Probleme des spezifisch »begabten« Kindes hinaus auf die Schwierigkeiten vieler gegenwärtiger Patienten (im weitesten Sinne) unseres Kulturkreises bezieht. Begriffe wie »innere Leere«, »Suche nach Identität«, »Sucht« und »Sinnlosigkeit« sind in den letzten Jahren mehr und mehr zum Thema psychoanalytischer Überlegung gemacht worden. So ist es zu begrüßen, daß Alice Miller ihre in früheren Arbeiten ausgeführten Gedanken zu diesem Thema nun in überarbeiteter und zusammengefaßter Form vorlegt. Das Buch hat geistige Väter (und Mütter): H. Kohut, M. Mahler, H. E. Richter, R. Spitz, D. W. Winnicott. Trotzdem ist es durchaus eigenständig. Sein Charakter ist am ehesten mit Begriffen wie »erlebnisnah« (und damit praxisnah), »empathisch« und »unmittelbar nachvollziehbar« zu kennzeichnen. Auf ausführliche metapsychologische Ausführungen wird verzichtet, ohne daß der jeweilige theoretische Hintergrund diffus erschiene. Dabei bleiben viele theoretischen Fragen, etwa die nach dem Verhältnis zur Triebtheorie, offen, aber ihre Klärung war in diesem Rahmen auch nicht beabsichtigt.
Die narzißtische Mutter, die ihre Bedürfnisse am Kinde befriedigen muß, statt auf dessen Bedürfnisse eingehen zu können, läß