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Patient: »Mein Leben lang war ich noch nie krank. Aber ich weiß
Bescheid. Ich bin ein Eingebildeter.«
Analytiker: »Ein eingebildeter Kranker?«
Patient: »Nein, nein, ein eingebildeter Gesunder.«
(Aus einem Erstinterview mit einem Herzinfarktpatienten.)
Um die Erfahrungsgrundlage unserer Untersuchung, die Gespräche mit den Patienten, die Art ihrer Dokumentation in Gestalt von Interviewberichten und auch die Blickrichtung bei der nachträglichen Auswertung zu veranschaulichen, gebe ich ein ausführliches Fallbeispiel. Die Kommentare, Schlußfolgerungen oder Fragestellungen, die ich an die abschnittsweise zitierten Passagen eines Interviewberichts knüpfe, entsprechen dem Arbeitsvorgang, den jeder Teilnehmer an der Gruppendiskussion4 bei seiner Lektüre der Berichte zunächst individuell zu leisten hatte.
Ein Interviewer5 berichtet über ein Erstgespräch mit einem 44jährigen Arbeiter6.
Ich hole den Patienten ab, der im Flur sitzt und wartet. Als wir vor der Tür meines Zimmers stehen, läßt er mir den Vortritt, freundlich lächelnd, als ob ich ihn in seinem Büro besuchen würde. Der Patient ist außerordentlich zuvorkommend, man merkt ihm an, daß er gewohnt ist, mit Menschen umzugehen. Er sieht altersentsprechend aus, ist eher klein, athletisch gebaut, trägt einen modernen Haarschnitt und ist korrekt angezogen. Von seinem Auftreten her hätte ich ihn eher für einen Büroangestellten gehalten, der mit Kunden zu tun hat. Ich bin überrascht, als ich erfahre, daß er Arbeiter ist, obwohl er seit einigen Jahren im Betriebsrat seiner Firma ist. Da es sich um eine kleine Druckerei handelt, wird er trotz dieser Funktion von seiner Arbeit nicht entbunden. — Beim Sitzen fällt mir seine Haltung auf: Er hat die Arme angewinkelt und hält die Hände, zu Fäusten geballt, vor der Brust.
Nach meiner Einleitung beginnt er mit der Geschichte seiner Krankheit. Im Jahre 1972 lief er an einem Sonntagmorgen im Wald hinter seinem damals 14;ährigen Sohn her, der mit dem Fahrrad fuhr. An diesem Morgen