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Neben den bekannten Beschreibungen von H. E. Richter über Randgruppenarbeit in der Eulenkopf-Siedlung in Gießen gehört die vorliegende Studie zu den ersten systematischen Analysen von Randschichtpopulationen in Deutschland, die sozialwissenschaftliche Untersuchungsmethoden und soziale Praxis verbinden. Das über einen Zeitraum von vier laufende Forschungsprojekt in der größten Obdachlosensiedlung von Göttingen umfaßt eine gründliche Datensammlung auf analytisch-deskriptiver Ebene, eine Längsschnittbeobachtung der untersuchten Familien und eine breite empirische Basis für die analytisch-praktische Ebene.
Im Einleitungskapitel wird ein Überblick zur amerikanischen Armutsforschung gegeben, der die verschiedenen theoretischen und empirischen Ansätze kritisch analysiert. Von besonderem Interesse ist dabei die Differenzierung verschiedener Armutsgruppen, die deutlich macht, daß Armut als sozioökonomisches und zugleich soziokulturelles Problem begriffen werden muß. Erst die Wechselbeziehung beider Ebenen erlaubt, Armut im gesellschaftlichen Kontext von unterschiedlichen Zugangsbedingungen zu den gesellschaftlichen Ressourcen und damit verbundenen Diskriminierungsprozessen zu beschreiben, wodurch die ökonomische durch eine psychosoziale Dimension ergänzt wird. In einem Überleitungskapitel zur eigenen Untersuchung verdeutlichen die Autoren, daß Armut — auf die Lebensverhältnisse von Randschichtgruppen in der BRD gewendet — im öffentlichen Bewußtsein und von der Sozialadministration mit Obdachlosigkeit gleichgesetzt wird. Nach dem Erkenntnisstand der Armutsforschung gehen sie jedoch davon aus, daß innerhalb der in Obdachlosigkeit lebenden Bevölkerung erhebliche Differenzierungen von Gruppen in sozioökonomischer, soziokultureller und familiendynamischer Hinsicht bestehen. Entsprechend wird die Untersuchung von der Fragestellung geleitet, welche Gründe die Bevölkerungsgruppe, die ständig unter deprivierten Lebensbedingungen gelebt hat, daran hindert, durch eigene Initiative oder