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Die klassische Psychoanalyse scheint das Thema Identität als Problem nicht gekannt zu haben. Das große Freud-Register teilt da nichts Nennenswertes mit. Erst nach 1930 spricht Otto Fenichel in seiner speziellen Neurosenlehre davon, daß, abweichend von den klassischen Neuroseformen, immer häufiger Patienten mit unbestimmten Symptomen kämen, bei denen offenbar das Ich selber in den Krankheitsprozeß einbezogen sei. Nach dem Zweiten Weltkrieg, fast parallel zu David Riesmans berühmten Untersuchungen über die >Einsame Masse<, aus der sich der sogenannte außengeleitete Charakter als neuer Leittypus herauskristallisierte, hat Erik H. Erikson die neue Symptomlage teils soziologisch, teils ichpsychologisch bestimmt: »So hat es sich ergeben, daß wir uns gerade zu einem geschichtlichen Zeitpunkt mit der Identität beschäftigen, da diese problematisch geworden ist (…) Das Studium der Identität wird daher in unserer Zeit zu einer genau so strategischen Frage, wie es das Studium der Sexualität zu Freuds Zeiten war« (Kindheit und Gesellschaft, , S. 278). Erikson gibt jedoch zu bedenken, daß Sexualität und Identität einen Zusammenhang haben und daß auch, »wenn wir Freuds Fälle noch einmal aufrollen würden«, typische Identitätsmängel zu finden wären. Gemessen an dieser Überlegung ist die gegenwärtige Identitätsdebatte harmlos und unergiebig geblieben. Die Forschergruppe Poetik und Hermeneutik macht da keine Ausnahme. Ihrer Zusammensetzung entsprechend führt sie eine breite Revue geisteswissenschaftlicher Perspektiven vor, die der multiplen Bedeutung und Verwendung von Identitätsbegriffen Rechnung trägt. Der Philosoph Dieter Henrich gibt einen Überblick über die Begriffsgeschichte, die Identität der Griechen fehlt nicht, deutsche Identität wird an Barbarossas Nachleben (Stauferjahr!) klargemacht. Person und Persona werden unterschieden, desgleichen Person und Subjekt und natürlich auch Identität und soziale Rolle. Der Höfische Roman und Hölderlin, Humor als Rolle und die Kriegerdenkma