You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
»Irgendwie geht Ordnung in das Bedürfnis nach Totschlag über.«
Erich Wulff hat seinerzeit zusammen mit anderen Autoren der Psychoanalyse eine schlimme Rechnung aufgemacht. Seine Kritik an der Psychoanalyse kulminierte in dem Verdacht, diese tauge als »wirklichkeitsvertreibende Ideologie« zur Herrschaftssicherung des Kapitals (Wulff, 1972, S. 20).
Eine derartige Psychoanalyse-Kritik, zumal wenn sie sich linksradikal und ideologiekritisch, gleichsam enthüllend wie Wallraffsche Reportagen, drapiert, kann in der Bundesrepublik allemal mit Aufmerksamkeit, ja Beifall rechnen. Das Beispiel des Anti-Ödipus von Deleuze/Guattari (1972) hat dies letzthin noch einmal deutlich gemacht — »Der nom de guerre à la Ödipus-Schnödipus verhieß den Überdrüssigen ein Schlachtfest …« (Neubaur, 1978, S. 137) —, und auch der Erfahrungsbericht von Dörte von Drigalski (1979) wird gewiß von nicht wenigen mit unverhohlener Schadenfreude und Genugtuung gelesen — die Psychoanalyse steht einmal mehr blamiert da. Solche Schadenfreude hat natürlich Gründe, und es steht zu vermuten, daß die Psychoanalyse — oder was man dafür hält — ein besonders dankbares Objekt auftrumpfendhämischer Polemik ist. Kann man es ihr, die ihrerseits mit der Attitüde des »Enthüllens« und Desillusionierens auftritt, bei Gelegenheit doch einmal richtig heimzahlen. Die Kränkung, welche die Psychoanalyse als Erkenntnis der realen Ohnmacht des Subjekts dem durchschnittlichen Bewußtsein zufügt, wird von Zeit zu Zeit vergolten, indem man ihr den Spiegel ihrer eigenen Fehlbarkeit und Ideologiehaftigkeit vorhält.
Das Elend der Psychoanalyse-Kritik (vgl. Dahmer et al., 1973), sofern es sich dabei lediglich um ein »linkes Gerücht« von der Psychoanalyse handelt, wäre keiner weiteren Erwähnung wert, wenn es nicht eine bestimmte Disposition symptomatisierte: die Disposition nämlich, etwas, das auf irritierende Weise sich glatten Ein- und Zuordnungen entzieht — eben die Psychoanalyse —, in manichäischer Manier einem Ordnungsrast