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In der Rezension meines Buches durch H. Platta wird die lange psychoanalytische Fallgeschichte, die meinen Grundgedanken modellhaft belegt, nicht erwähnt. Daß der »Gotteskomplex« heute nur im Widerstand gegen objektive Macht- und Herrschaftsverhältnisse verändert werden kann, habe ich deutlich genug gesagt. Hier hat der Rezensent nicht ordentlich gelesen und führt die Leser seiner Rezension in die Irre.
Die Hauptabsicht meines Buches ist, in Anknüpfung an Ideen Pascals, Schopenhauers und Schelers, die jahrhundertlang unterdrückten emotionalen Energien aufzudecken, die infolge des »Gotteskomplexes« um ihre Chancen als Fundamente einer natürlichen Moral gebracht worden sind.
Eine Grundannahme meines Buches ist, daß die historische psychosoziale Aufspaltung von Macht und Schwäche, so sehr sie sich außer in den äußeren gesellschaftlichen Verhältnissen auch im menschlichen Innern verfestigt zu haben scheint, immer noch einen Rest von virulentem Konfliktpotential hinterlassen hat, mit dem etwas zu machen, mit dem zu arbeiten ist. Und deshalb bemühe ich mich in dem eigentlichen Hauptteil des Buches, einige zentrale aktuelle Manifestationen des Konfliktes aufzuspüren, wo sich zeigt, daß anscheinend etwas in krisenhafte Bewegung geraten ist — etwa in der Geschlechterbeziehung und in der Abspaltung der alternativen Jugendkulturen. Und hier tauchen dann auch die konkreten gesellschaftlichen Bedingungen als die aktuell fühlbaren Herrschaftsverhältnisse auf, die vielen Versuchen, das gesellschaftliche Zusammenleben von den Bedürfnissen des Menschen her zu ändern, entgegenstehen.
Die Sympathie-Ethik, für die ich, an Scheler anknüpfend, eintrete, verlangt nicht das Hinnehmen, sondern gerade die Überwindung einer Ordnung, die überall künstliche Unterdrückungsverhältnisse etabliert hat. So spreche ich von dem »kulturrevolutionären Potential« des Sympathie-Prinzips, das zur Aufhebung von Ungerechtigkeit und Diskriminierung und zur politischen Befreiung der Unterdrückten auffordere (S. 2