You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Die Herausgeberin beginnt den Band mit Montesquieus bekanntem Satz: »Wahrheit diesseits der Pyrenäen ist Unwahrheit jenseits der Pyrenäen.« Die Pyrenäen sind natürlich Metapher. Was dem einen sein Uhl, ist dem anderen sein Nachtigall, sagt der Volksmund. Demnach wären Vorurteile ebenso universell wie unausrottbar. Kann man sie bloß erforschen, analysieren, kann man sie abschaffen oder ersetzt man sie bestenfalls durch andere? Wo ist der Maßstab?
In 19 Beiträgen versucht der Band, darauf Antworten zu geben. Die Herausgeberin gibt neben ihrer Einleitung in einem Sammelreferat von 1953 einen Rundblick. Darin wird deutlich, daß es mit Vorurteilen gar nicht so einfach ist. Sie sitzen tief und sind durch puren Augenschein des Gegenteils noch lange nicht erschüttert. Das heißt, sie haben Abwehrfunktion. Und wie es in der weltlichen Realität oft nach dem Prinzip »teile und herrsche« geht, so heißt es in der psychischen Realität: Spalte und projiziere, dann hast du wenigstens