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Marianne Krüll, Soziologin an der Bonner Universität, wandelt mit ihrem Buch den dornigen Pfad der Psychohistorie, wobei sie eigenes und fremdes Schicksal verknüpfen und wieder entwirren möchte: »Wie wohl vielen Menschen
war mir Freuds Werk zum erstenmal begegnet, als ich mich auf der Suche nach Erklärungen für die Widersprüche und Konflikte meiner Person befand. Die Hilfe, die ich durch die Lektüre einzelner Freudscher Schriften erhielt, erklärt meine damalige Begeisterung für die Psychoanalyse. Sehr bald kamen mir jedoch Zweifel an einigen Teilen seiner Theorie, die so offensichtlich widersprüchlich waren. Die Faszination kehrte sich in ihr Gegenteil, in Ablehnung und Kritik. Erst viele Jahre später, nachdem ich es selbst unternommen hatte, meine eigene Biographie zu durchleuchten, wandte ich mich Freud wieder zu. Die frühere Faszination stellte sich erneut ein — diesmal galt sie jedoch nicht dem Werk als solchem, sondern dem Menschen Freud, der dahinter stand (…) Vorzüge und Mängel des Werkes wurden mir verständlich aus der Größe, aber eben auch aus der Schwäche seines Autors« (11).
Freuds Schwäche war sein Vater. Oder in den Worten der Autorin: »das Geheimnis des Alten« (126 ff.). Der Vater, Jokob Freud, hatte sich nämlich nicht nur von den Bräuchen der Väter entfernt (dem galizischen Judentum), er hatte vielleicht Schlimmeres angestellt: es muß ihm auf seinen zahlreichen Reisen (Jakob Freud war Wollhändler) »schwer gefallen sein, das jüdische Verbot der Onanie einzuhalten« (127). Freud, so knüpft sich die Kette, hat die Schuld des Vaters auf sich genommen (Delegationstheorie) und so die Psychoanalyse erfunden — aber eine falsche. Die in sexualibus unbestechliche Autorin sieht einen Zusammenhang zwischen Freuds Traum nach des Vaters Beerdigung — »Es wird gebeten/die Augen zuzudrücken« (57), also nachsichtig zu sein gegenüber der Schuld des Vaters — und dem Widerruf der Verführungstheorie, d. h. der eigentlichen Erfindung der Psychoanalyse. In dem entsprechenden