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OTSOG ist die Abkürzung für den amerikanischen Buchtitel »On the Shoulders of Giants«. Das bedeutet soviel wie: »Erzählung oder Darstellung von großer Dichte, die sich der Gelehrsamkeit ebenso wie der Pedanterie verpflichtet weiß; auch: äußerst vielgliedriges (mit zahlreichen Parenthesen versehenes) Ergebnis hingebungsvoller Gelehrtenarbeit.« Der von dem amerikanischen Soziologen Robert K. Merton als Brief mit LXXVIII Kapiteln und einem längeren P.S. (von den, wenn ich richtig gezählt habe, 234 Fußnoten zu schweigen) verfaßte OTSOG, den Reinhard Kaiser, seinerseits ein OTSOGist beachtlichen Formats, (kon)genial ins Deutsche gebracht hat, geht dem von Bernhard von Chartres erfundenen Aphorismus nach, welcher sinngemäß lautet, daß der Zwerg, der auf den Schultern des Riesen — ja, was? steht, sitzt, verweilt? (womit nur eines der zahllosen Rätsel dieses OTSOGs angesprochen ist) —; daß also der auf den Schultern des Riesen — ich entscheide mich diesmal für: — stehende Zwerg weiter sieht als dieser selbst. Zuletzt soll sich der kürzlich verstorbene Erich Fromm, jedenfalls laut »Spiegel« vom 24. März 1980 (für den, der es genau wissen will: auf S. 268), dieses Aphorismus bedient haben, um dergestalt darzutun, daß er als Psychoanalytiker der zweiten Generation weiter zu sehen vermocht habe als der Riese der Psychoanalyse, Sigmund Freud (eine unter modern eingestellten Menschen durchaus verbreitete Ansicht). Apropos Freud. Schon in den Kindertagen der Psychoanalyse, da ihm noch niemand aus dem Kreis seiner Schüler seinen Riesen-Rang streitig zu machen versuchte (wenn man von Adler und Jung einmal absieht), behauptete der begabte, wenn auch etwas windige Wilhelm Stekel, wie man im zweiten Band der Freud-Biographie von Ernest Jones (S. 168) nachlesen kann, ein Zwerg (Stekel) auf der Schulter eines Riesen (Freud) könne weiter sehen als der Riese selbst. Worauf Freud grimmig erwiderte: »Das mag wahr sein, aber nicht eine Laus auf dem Kopfe eines Astronomen.«
Mit dieser überrasch