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Der Titel ist auf dem inneren Titelblatt anders formuliert als auf dem Buchumschlag: »Le fanatisme — ses racines: Un essai historique et psychanalytique.« (»Der Fanatismus — seine Wurzeln: Ein historischer und psychoanalytischer Essay«). Dies entspricht genauer dem Inhalt. Denn das Buch will nicht mehr sein als ein Versuch, die Entstehung fanatischer Bewegungen von sehr verschiedener Tragweite in verschiedenen geschichtlichen Epochen aufzuzeigen und den unbewußten Triebkräften des Fanatismus oder vielmehr der Fanatiker nachzugehen. Und doch sollte das Buch, das bisher noch keinen deutschen Übersetzer gefunden hat, von möglichst vielen Analytikern gelesen werden. Denn es versucht, der uns von Freud gestellten Aufgabe gerecht zu werden, irrational anmutende Zeitereignisse mit den Mitteln der Psychoanalyse aufzuklären. Und wer möchte leugnen, daß Fanatismus in unseren Tagen ein erklärungsbedürftiges psychosoziales Phänomen ist, das sich in verschiedenartigen Ereignissen wie in der schiitisch-islamischen Revolution des Ayatollah Khomeini in Iran oder in der R. A. F. in der Bundesrepublik manifestiert.
Als erstes erfahren wir, daß es die abendländische Welt ist, die es zumindest schon seit dem Aufstieg der jüdischen und christlichen Religionen mit hemmungslosen und zur Selbstaufopferung neigenden religiösen Enthusiasten, die man Fanatiker nannte, zu tun hatte. Aber erst seit wenig mehr als zweihundert Jahren, seit die Aufklärung das Bild einer toleranten Gesellschaft entwarf und seit Voltaire den Fanatismus beschrieb und verurteilte, sind wir imstande, den Fanatismus als Erscheinung zu erfassen. Seither steht er als schreckliche Verzerrung menschlichen Verhaltens, als philosophisches Ärgernis und als Rätsel da.
Die drei Autoren, zwei Historiker und ein Psychoanalytiker, haben sich die Aufgabe geteilt und eng zusammengearbeitet. Der erste Historiker (M. M.) versucht, den Fanatismus etymologisch, semantisch, in seiner Entstehung als Begriff und als historisches Phänomen zu u