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Am 6. Mai dieses Jahres liegt die Geburt des Begründers der Psychoanalyse 125 Jahre zurück. Die Diskussion über den Charakter seiner Theorie und Therapie hat sich in den vergangenen 15 Jahren intensiviert, zuerst extra, dann auch intra muros der Gemeinschaft der psychoanalytischen Interpreten. Über die konkurrierenden Versuche, die Freudsche Lehre durch einseitige Stilisierung ihrer naturwissenschaftlichen oder ihrer hermeneutischen Züge den Natur- oder Geisteswissenschaften zuzuschlagen, führt am ehesten die Rekonstruktion ihrer Genese hinaus. Die dazu erforderlichen Informationen sind aber noch immer allzu lückenhaft.1 Abgesehen von dem Mangel an vollständigen Brief-Editionen sind vor allem die Freudschen Frühschriften, nicht-psychologische wie psychologische, nicht leicht zugänglich. Das fällt um so schwerer ins Gewicht, weil in den frühen Schriften Begriffe und Theorien entwickelt worden sind, die in den späteren, psychoanalytischen, gewöhnlich modifiziert, immer aber vorausgesetzt werden.2
In nächster Zeit wird nun das Niveau der Information über Freuds Anfänge durch zwei neue Publikationen beträchtlich erhöht. Zum einen bringt der Suhrkamp-Verlag (im Rahmen der von Alexander Mitscherlich herausgegebenen Reihe »Literatur der Psychoanalyse«) erstmals in deutscher Sprache die gesammelten biographischen Freud-Studien von Siegfried Bernfeld heraus.3 Zum andern erscheint im S. Fischer-Verlag ein Nachtragsband zu Freuds Gesammelten Werken, der (in 12 Sektionen) etwa 70 psychologische Schriften Freuds enthält, die in die Gesammelten Werke nicht aufgenommen wurden (und von denen etwa 20 auch in der Standard Edition fehlen.) Die ersten drei Sektionen