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Die Freud-Biographik ist kaum sechzig Jahre alt. Argwöhnisch und mißbilligend von ihm zur Kenntnis genommen, hatte sie schon zu Lebzeiten des Begründers der Psychoanalyse eingesetzt und nach seinem Tode durch die Veröffentlichung von Aus den Anfängen der Psychoanalyse (1950) fraglos mächtigen Auftrieb erhalten. Obgleich damals nur in Auszügen erschienen1, hatten Freuds Briefe an Wilhelm Fließ, jenes packende, spurensichernde Logbuch der Entdeckungsphase der Psychoanalyse, die enge Verklammerung von Werkentstehung und Lebensgeschichte explizit gemacht, die der aufmerksame Leser der Traumdeutung (1900) längst vermuten konnte. Mittlerweile ist die Zahl der Publikationen zur Freud-Biographik, zur Geschichte der Psychoanalyse ins Unübersehbare gewachsen. Eine Würdigung einzelner Autoren und ihrer Thesen, die Wiedergabe manch lärmender Polemik, das Nachzeichnen der Wandlungen des von den Biographen je verschieden konturierten Freud-Bildes, also eine auch nur einigermaßen erschöpfende Abhandlung über die Entwicklung der Freud-Biographik würde heute wohl bereits ein eigenes Buch füllen. Hier seien, ohne auf Einzelheiten einzugehen, lediglich zwei auffallende Tendenzen angemerkt: eine Tendenz zur Hagiographie und eine andere zur Demontage. Ein simplifizierender Reduktionismus, den seelischen Vorgängen der Idealisierung und Entwertung eigentümlich, kennzeichnet beide.
Den »furor biographicus« (H. Sachs, 1945, S. 108) seiner ihn idealisierenden Biographen hat Freud in der berühmten Passage seiner Studie über Eine Kindheitserinnerung des Leonardo da Vinci (1910, S. 152) gleichsam schon mitkritisiert:
Sie gäben sich »einer Idealisierungsarbeit hin, die bestrebt ist, den großen Mann in die Reihe ihrer infantilen Vorbilder einzutragen, etwa die kindliche Vorstellung des Vaters in ihm neu zu beleben. Sie löschen diesem Wunsche zuliebe die individuellen Züge in seiner Physiognomie aus, glätten die Spuren seines Lebenskampfes mit inneren und
* In den Jahren 1975 bis 1980 hatte ich dreimal
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* In den Jahren 1975 bis 1980 hatte ich dreimal