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Seit ich Mitte der sechziger Jahre das Buch von Th. Lidz gelesen hatte, und mehr noch, seit die Familientherapie mit H. Stierlin in Heidelberg und die Ehe-Therapie von J. Willi auch räumlich näher gerückt sind, hat sich bei mir ein höchst ambivalentes Verhältnis zur Familientherapie entwickelt. So wie mir mag es vielen Psychoanalytikern gegangen sein. Thea Bauriedls Buch verspricht, diese Ambivalenz zu überwinden. Im Hinblick auf das Unbehagen, das Freudsche Analytiker bei der Konfrontation mit der Familientherapie befällt, möchte ich dieses Buch besprechen.
Einerseits: Die durch Generationen fortgesetzten Verstrickungen, die das Leben so mancher Menschen allein schon durch die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Familie bestimmen und leider oft auch ruinieren, müssen, so denke ich, jedem Analytiker einleuchten. Bindung und Ausstoßung, Bündnis und Delegation, der Familienmythos und zahlreiche andere Begriffe, die von den Theoretikern und Praktikern der Familientherapie geprägt und mit Inhalt gefüllt wurden, kann ich in meiner täglichen Arbeit mit therapeutischen Analysen nicht mehr missen. Nicht bei allen Analysanden, aber gerade bei den schwierigsten, bei denen es so sehr darauf ankommt, den Deutungsprozeß ganz unmittelbar vom bewußtseinsfähigen (vorbewußten) Erleben und Erinnern abzuleiten, sind die Beziehungsformen, die in der Familie herrschen und herrschten, vorerst leichter verständlich und einsehbar zu machen als abgewehrte Triebwünsche. Und im Verstehen der untergründigen Gesetze, denen Familienbeziehungen unterliegen, haben die Familientherapeuten bereits Gültiges geleistet.
Anderseits: In dreierlei Hinsicht hat die Familientherapie für mich bisher unüberwindbar scheinende Probleme aufgeworfen. Es schien sehr umständlich und oft unmöglich, ihren theoretischen Ansatz mit dem der Psychoanalyse, mit der Metapsychologie in Einklang zu bringen. Zweitens werden Familien, von denen doch unbestritten ist, daß sie dem Kind und Heranwachsenden den größten Teil des sogena