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Es bedarf offensichtlich keiner Untersuchungen von mehreren hundert Seiten, um den Leser zum Zeugen einer Entwicklung zu machen, deren unaufhaltsame Tragik ihm auf jedem Schritt schmerzlich bewußt wird. Florian Langegger ist es trotz der umfangreichen Mozart-Literatur gelungen, eine weitreichende Entdeckung zu machen. Ich nenne sie weitreichend, weil sie für drei verschiedene, wenn auch sich überschneidende Gruppen von Menschen wichtige und z. T. neue Perspektiven eröffnet: 1. für Mozart-Freunde, 2. für Psychoanalytiker und 3. für Biographen.
1. Wer am Leben Mozarts interessiert ist, wird hier Gelegenheit bekommen, sich direkt an den Quellen zu orientieren und gleichzeitig persönlich voll beteiligt zu bleiben. Es gehört übrigens zum besonderen Charme dieses Buches, daß es wissenschaftliche Genauigkeit mit warmer menschlicher Anteilnahme verbindet. Der Leser hat auch die Möglichkeit, das Material auf seine Art zu interpretieren, denn Langegger argumentiert kaum und beruft sich kaum auf Autoritäten der Sekundärliteratur. Die von ihm ausgewählten Briefe von Vater und Sohn begleitet er, wenn nötig, mit einem knappen, einfühlsamen Kommentar und tut das in einer Weise, die eine sensible, aus Erlebnissen gewonnene Menschenkenntnis ahnen läßt.
Ich werde hier nicht meine Interpretationen anführen, um dem künftigen Leser den Genuß einer eigenen Entdeckung nicht zu beeinträchtigen. Statt dessen zitiere ich einige Stellen aus den Briefen Leopold Mozarts an seinen 22jährigen Sohn Wolfgang, denen m. E. eine zentrale Bedeutung zukommt: »Du mußt aber vor allem mit ganzer Seele auf das Wohl deiner Eltern denken, sonst geht deine Seele zum teufel …« »(Du) hast das Salzb: Kreuz, an dem ich hänge, schon vergessen.« »denke nach, ob du nicht grausamer mit mir verfährst als unser Fürst. von ihm hatte ich mir eben nichts zu versprechen. — von dir versprach ich mir alles — von ihm muß ich alles als eine Gnade erwarten. — von dir kann ich alles aus Kindlicher Schuldigkeit hoffen … du kannst mi