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Dieses Buch erscheint zu einer Zeit, in der es die Antipsychiatrie als Bewegung nicht mehr gibt, zumindest nicht in ihrer ursprünglichen Form. Zunächst als Begriff von dem englischen Psychiater D. Cooper verwendet, wurden mit Antipsychiatrie jene z. T. um 1960 begonnenen Versuche bezeichnet, die herrschende Anstaltspsychiatrie, ihren Mechanismus der Aussonderung und Verwahrung psychisch Kranker radikal zu ändern. Bopp beschreibt die Ansätze von R. D. Laing, D. Cooper, das Sozialistische Patientenkollektiv in Heidelberg und die neue italienische Psychiatrie. Nur die italienische Psychiatrie, die sich antiinstitutionell oder demokratisch nennt, konnte ihren kritischen Impuls in eine dauerhafte Arbeit umsetzen; die anderen Versuche mußten nach relativ kurzer Zeit aufgegeben werden.
Aber die Probleme, die die Antipsychiatrie benannte, existieren nach wie vor. Sie betreffen die Frage von Macht und Herrschaft in der psychiatrischen Hierarchie, den gesellschaftlichen Auftrag und das naturwissenschaftlich-objektivistische Krankheitsverständnis. Die Antipsychiater, die den Alltag der Verwahranstalten in ihrer praktischen Arbeit kannten, formulierten heftige und pointierte Kritiken, die schnell zu Polarisierungen führten. Bopp greift ihre Kritik auf, analysiert ihren theoretischen Ansatz, beschreibt die Praxis und versucht Fehler und Inkonsistenzen herauszuarbeiten und damit die Gründe für das Scheitern der englischen Psychiater und des SPK aufzuzeigen. Aus dieser Analyse gewinnt er Perspektiven für eine zukünftige kritisch-konstruktive Arbeit im Feld der Psychiatrie und Psychotherapie.
Die Arbeit ist übersichtlich dargestellt und gut strukturiert. Jeder der genannten Ansätze kann getrennt nachgelesen werden. Der Autor arbeitet systematisch eine in der alltäglichen Praxis entstandene Bewegung auf. Dies führt zu einem abstrahierenden Vorgehen, bei dem die unmittelbare praktische Beteiligung fehlt, die in den antipsychiatrischen Schriften zu spüren war. Trotz dieser Abstraktion b