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Meine Besprechung von Kohuts neuem Buch gliedert sich in drei Teile: eine Charakterisierung des Buches; den Versuch, etwas zu der Verwirrung zu sagen, die durch seinen abweichenden Gebrauch des Borderline-Begriffs entsteht; die kurze Mitteilung von Gedanken, die ich an einer Stelle der Lektüre weitergedacht habe (denn wie bei anderen Arbeiten Kohuts ist es auch bei dieser so, daß sie zu produktivem Weiterdenken anregt). Zu technischen Fragen werde ich mich weniger äußern, da ich mich weniger kompetent fühle.
»The Restoration of the Self« ist von vielen Lesern als klarer und transparenter empfunden worden als die vor rund zehn Jahren erschienene Narzißmus-Monographie. Die Nomenklatur hat sich in mancher Hinsicht vereinfacht: das Objekt der narzißtischen Übertragung wird jetzt schlicht als Selbst-Objekt bezeichnet, die Beziehung zu ihm als Selbst-Objekt-Übertragung. Kohut unterscheidet zwei Arten von Strukturen, die im Falle eines Defekts im Selbst zu beobachten sind: defensive Strukturen, die ihn überdecken, und kompensatorische Strukturen, die einen Versuch darstellen, ihn auszubalancieren. Künstlerische Tätigkeit wird in der Regel von dieser zweiten Art sein, was — ohne daß Kohut selbst diesen Schluß ausdrücklich zieht — neues Licht auf das Verhältnis zwischen der Psychoanalyse und den Künstlern wirft. Die alte, nie ganz aufgeklärte Künstlerangst vor der Psychoanalyse stellt sich als Angst vor dem Verlust der kompensatorischen Strukturen heraus (Angst, der Analytiker könne den Unterschied nicht bemerken und kompensatorische Strukturen wie defensive zu analysieren versuchen). Der »Fall Rilke« läßt sich im Licht dieser Kohutschen Gedanken ganz neu interpretieren; in der Tat hat Rilke in seiner Auseinandersetzung mit der Analyse nie etwas anderes getan, als die immense Bedeutung kompensatorischer Strukturen zu betonen.
Kohut sieht — wie er in einem umfangreichen ersten Kapitel darlegt — die Aufgabe des Therapeuten bei einer narzißtischen Störung darin, dem Analysanden E