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Alexander Mitscherlich hat ein beeindruckendes Buch geschrieben. Es handelt sich um eine Autobiographie., in der die Entwicklung eines Psychoanalytikers, das Schicksal eines deutschen Menschen im Widerstand gegen destruktive Gewalt, eines Europäers im besten Sinne des Wortes beschrieben werden. Individuelle Erlebnisse vermitteln hier objektive Erkenntnisse; insofern ist das Buch ein Beispiel für die Anwendung der Psychoanalyse auf Geschichtswissenschaft und Politik.
Mitscherlich legt offen, wie bestimmte Kindheitserfahrungen zu seinem späteren politischen Widerstand geführt haben. Seine Einsicht, »daß das Verhältnis zwischen Machtlosen und Mächtigen schon in der Kinderstube und nicht erst in der großen politischen Szenerie im wahrsten Sinne des Wortes fundamentale Bedeutung erlangt« (S. 11), erhellt diesen Zusammenhang. Mitscherlich hat in seiner Jugend die Erfahrung gemacht, daß man respektvoll behandelt wird, wenn man bewiesen hat, daß man dem Kampf nicht ausweicht. Das hat er auch später niemals getan, seine Aggression vielmehr im Dienste des Friedens und der Herstellung friedlicher Verhältnisse sublimiert.
Ausgezeichnet wird die Rolle von Mentoren für die individuelle Entwicklung beschrieben. Mitscherlich nennt hier Ernst Nickisch und Ernst Jünger. Von großer Bedeutung für Mitscherlichs Leben war meines Erachtens seine Entdeckung, »daß die historischen Charakterstudien Luthers kaum große Ähnlichkeit untereinander erkennen ließen«. »Mir drängte sich der Eindruck auf, daß die Biographen sich unbemerkt in Luther chiffriert hatten. Man hatte es mit einer Biographie zu tun, die ein Historiker verfaßt hatte, das war der zutage liegende Text, dahinter lag aber, wie bei einem Palimpsest, mehr oder weniger deutlich eine zweite Ebene unbewußter Selbstdarstellung des jeweiligen Historikers. Die beiden Bewußtseinsebenen sind in einem sehr komplizierten psychischen Mechanismus miteinander verknüpft, sie laufen nebeneinander her und zugleich sind sie miteinander verwoben. Man h