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Die Psychoanalyse, deren Ziel es ursprünglich war, Unbewußtes bewußt zu machen, ist durch die Dominanz der therapeutischen Ausrichtung und die wachsende Institutionalisierung selbst zu einem Ort gesellschaftlicher Unbewußtheit geworden. Statt diese zu analysieren, reproduziert sie sie. Die über die Identifikation mit der Rolle des Psychoanalytikers vermittelte unbewußte Anpassung an die herrschenden gesellschaftlichen Werte blockiert das kritische Potential der Psychoanalyse und liefert sie modischen Strömungen hilflos aus. Am Beispiel Freuds soll hier die ursprüngliche, die Entdeckung des Unbewußten erst ermöglichende Strategie gegenüber dem um die Jahrhundertwende in Wien herrschenden Zeitgeist in der Décadence aufgezeigt werden. In der Gegenüberstellung mit Schnitzler, Hofmannsthal und Mach, die damals Positionen vertraten, die auch heute noch wirksam sind, wird Freuds spezifische Leistung im Umgang mit dem Unbewußten sichtbar. Sein Festhalten am Begriff der Vernunft, sein Anspruch auf Wissenschaftlichkeit und sein durch die Selbstanalyse geprägter Ich-Begriff waren die Voraussetzungen für die Entwicklung eines Konzepts des Unbewußten, das dieses nicht mystifiziert. Eben diese Voraussetzungen galten der Décadence (und gelten deren heutigen Erben) als Skandalon.