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Als Freud aus seiner therapeutischen Tätigkeit heraus sein Konzept des Unbewußten entwickelte, spielte es schon in anderen Bereichen der Kultur eine entscheidende Rolle, vor allem in der Kunst und in der Philosophie. Viele Themen, mit denen sich die Psychoanalyse beschäftigte, etwa Triebregungen, Inzest, Ambivalenzen, Bisexualität, Perversionen etc. beherrschten die damalige Malerei und Dichtung. Scheinbar stand Freud also ein breites, kulturell, philosophisch und ästhetisch vorgeformtes Instrumentarium zur Verfügung (Marquard, 1968; Jullian, 1971; Diersch, 1973), und daraus schlossen Wissenschaftstheoretiker wie Ellenberger (1970) oder Sulloway (1975), daß Freud eigentlich gar kein origineller, wohl aber ein geschickter Denker gewesen sei, der mit Hilfe seiner Schüler die Nachwelt glauben machte, nur er habe sich mit der Sexualität und dem Unbewußten beschäftigt. Aber das Außerordentliche an Freud war nicht, daß, sondern wie er sich auf das Unbewußte einließ, und diese Seite seiner Leistung wird nur sichtbar, wenn man den Strategien seiner Zeitgenossen nachgeht, die zwar auch auf das Unbewußte zielten, aber nicht, um es aufzudecken, sondern um es gesellschaftskonform zu konservieren.
Zwei Theaterstücke von A. Schnitzler, »Die Frage an das Schicksal« (1889) und »Paracelsus« (1898), behandeln zwei zu jener Zeit übliche Formen der Auseinandersetzung mit dem Unbewußten. Die Stücke paraphrasieren gewissermaßen die Freudschen Entdeckungen und vermitteln Einsichten in die kulturelle Atmosphäre, in der sie stattfanden. Wer sich damals auf das Unbewußte einließ, glitt unwillkürlich in bestimmte Rollen und Haltungen, die den Einblick in die Spezifität des Unbewußteen verstellten. Ein solches Individuum wurde zum »Zauberkünstler« oder zum »charismatischen Arzt« und damit zu einem Außenseiter, aber