You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Mit der vermehrten Diskussion und Würdigung psychoanalytischer Theoreme in den kritischen Sozialwissenschaften seit dem Ende der sechziger Jahre wurde eine zentrale Fragestellung in unzähligen Studien erneut aufgegriffen, die sich auch in der Suche nach dem »missing link« der Verknüpfung von Gesellschaftstheorie und Psychologie immer wieder gestellt hatte: Die Frage nach den Bedingungszusammenhängen für die »Widerspenstigkeit« des sog. »subjektiven Faktors« gegen revolutionäre Veränderungen des bestehenden Gesellschaftssystems, wie sie die materialistische Theorie seit einem Jahrhundert proklamiert.
Die historische Entwicklung offenbarte den illusionären Gehalt der Theorien, die radikale Veränderungen allein an Figuren des Bewußtseins gebunden hatten und am »naiven« Glauben an die Sprengkraft formal rationaler Erkenntnis festhielten. Die Entfaltung einer Theorie, die allgemeine Konstitutionsbedingungen und Bildungsverläufe von (beschädigter) Subjektivität zu reflektieren in der Lage war, wurde dringlich. Die Diskussion in den zwanziger und dreißiger Jahren (Bernfeld, Fenichel, Fromm, Horkheimer, Reich u. a.) kann als erster Versuch in dieser Richtung verstanden werden.
Zentral in der Suche nach dem sozialpsychologischen »missing link« steht heute erneut die Frage nach den Konstitutionsbedingungen und der Formgebung des Sozialchrakters, d. h. nach dem theoretischen Entwurf einer Konzeption der überindividuellen, aber doch am empirischen Subjekt nachweislichen Reaktions-, Aktions- und Erlebnistypologie der Menschen, deren Erfahrungsverarbeitung sich in weiten Bereichen ähnlich geworden ist. Unter diesem sozialpsychologischen Erkenntnisinteresse kann nur zu Recht vom Sozial- bzw. Alltagscharakter gesprochen werden. Klaus Strzyz verweist in seiner Studie darüber hinaus auf die »Pseudo-Normalität«, die als allgemeine Beschädigung entfalteter Subjektivität individuelle »Pathologie« maskiert und unkenntlich macht, da sie scheinbar bruchlos funktional in dominante Verkehrsfor