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Die Autorin versucht in diesem Buch, einer Kurzfassung ihrer Berliner Philosophischen Dissertation von 1977, Hebbel aus der Nähe Hegels in die Nähe Freuds zu rücken. Die Frage seiner philosophischen Verwandtschaft mit Hegel, eines der umstrittenen Themen der Hebbel-Forschung, wird ausführlich erörtert, die inhaltlichen und methodischen Differenzen (Entwicklungsbegriff, Kontinuitätsglaube) kommen zur Sprache, seine kritischen Äußerungen über Hegel werden als Widerstand des schöpferischen Dichters gegen den Anspruch der systematisierenden Philosophie gedeutet. Hebbel neigte dazu, schreibt Fenner, Geschichte als transzendenzlos kreisende Naturgeschichte zu begreifen, aber seine Dramen erheben Einspruch gegen eine katastrophische Weltgeschichte, die in Gang gehalten wird durch den Geschlechterkampf. Namentlich die Frauengestalten protestieren gegen die Geschichte als Opferzusammenhang. Ihnen, der Judith und Maria Magdalena, der Mariamne, Genoveva, Brunhild und Kriemhild, gilt das zentrale Kapitel der Arbeit.
Birgit Fenner versucht — das ist der neue Gesichtspunkt, der auch eine Besprechung in dieser Zeitschrift rechtfertigt — Hebbels Widersprüchlichkeit, seine »Diskontinuität«, als Spannung zwischen Zeitgebundenheit und Aktualität, d. h. vor allem als Spannung zwischen den Polen »Hegel« und »Freud« zu erklären. Dieser Ansatz hat mich nicht völlig überzeugt, weil er nicht unterscheidet zwischen einer denkerisch-philosophischen Vorwegnahme Freudscher Einsichten und einer psychoanalytisch »korrekten«, jedoch auf intuitiver Menschenkenntnis beruhenden Figurengestaltung in Hebbels Dramen. Wenn man Hebbel als Denker und Dichter zwischen Hegel und Freud stellt, setzt das voraus, daß Hebbel, wie die Autorin sagt, Hegels Geschichtsphilosophie künstlerisch ergänzt habe, und zwar um die bei Hegel noch nicht vorhandene Problematik der Triebstruktur und der Verdrängung. Dann müßte man aber in Hebbels Schriften solche Konzepte finden, die natürlich unter anderem Namen auftreten könnte