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Durch eine Bemerkung in Jones' Freud-Biographie (S. Freud, Leben und Werk, Bd. 2, S. 46, zit. n. Hurwitz) aufmerksam gemacht, fand Hurwitz im Burghölzli die Krankengeschichte von Otto Gross, geführt von C. G. Jung, mit einem Einweisungsschreiben von S. Freud und einem handschriftlichen Dokument von Binswanger (das nicht näher erläutert wird). Eine Krankengeschichte von »besonderem Wert« und »historischer Bedeutung« (S. 8), Grund genug, der Sache nachzugehen.
Otto Gross (1877-1920) verstand sich selber als Psychoanalytiker, wich jedoch früh von den Ansichten Freuds ab, praktisch durch seine sogenannte »sexualimmoralistische« Handhabung der Übertragung (S. 48 und 112 ff.), theoretisch hauptsächlich durch die Negierung der infantilen Sexualität in der Ätiologie der Neurosen (S. 78) und durch seine Verbindung von psychoanalytischen Erkenntnissen mit revolutionär-anarchistischen Ideen (S. 90).
Hurwitz ist der Meinung, daß eine chronologische Darstellung der Kompliziertheit der Persönlichkeit Gross' und der vielschichtigen Bezüge zu verschiedenen Themengebieten nicht gerecht werden kann (S. 9). Er vermutet zu Recht, daß die Lektüre dadurch erheblich erschwert wird. Das Buch nimmt, besonders in den ersten Kapiteln, eher die Form eines Sensationsberichtes an als die einer wissenschaftlichen Analyse. So steht am Anfang die Beschreibung der »Zwangsinternierung eines Gelehrten« (S. 11), d. h. der rechtswidrigen Ausweisung Gross' aus Deutschland, seiner anschließenden Einweisung in eine österreichische psychiatrische Klinik und seiner Entmündigung. Erst gegen Ende des Buches erfährt man, was Gross drei Monate später selber dazu meinte (Febr. 1914): Er habe eingesehen, daß die Internierung ein rettendes Moment für ihn gewesen sei, da er sich aus eigener Kraft nicht mehr vom Opium- und Cocainmißbrauch habe befreien können (S. 235). So zerreißt die Darstellung Zusammenhänge und verwirrt dadurch. Z. B. wird auch zunächst der Eindruck erweckt, Jung habe ein Gutachten über Gross geschr