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Der Nachruhm des Karl Philipp Moritz (1756-1793) ist nie gänzlich verlorengegangen, wenn er auch schon bald nach seinem Tode nicht als allzu strahlend bezeichnet werden konnte. Im zweiten Buch seines Essays »Zur Geschichte der Religion und Philosophie in Deutschland« (1834/35) schreibt Heinrich Heine über die Berliner Aufklärung: »Da ich von den philosophischen und religiösen Zuständen jener Zeit einen Begriff geben möchte, muß ich hier auch derjenigen Denker erwähnen, die mehr oder minder in Gemeinschaft mit Nicolai zu Berlin tätig waren und gleichsam ein Justemilieu zwischen Philosophie und Belletristik bildeten. Sie hatten kein bestimmtes System, sondern nur eine bestimmte Tendenz. Sie glichen den englischen Moralisten in ihrem Stil und in ihren letzten Gründen. Sie schreiben ohne wissenschaftlich strenge Form, und das sittliche Bewußtsein ist die einzige Quelle ihrer Erkenntnis. Ihre Tendenz ist ganz dieselbe, die wir bei den französischen Philanthropen finden. In der Religion sind sie Rationalisten. In der Politik sind sie Weltbürger. In der Moral sind sie Menschen, edle, tugendhafte Menschen, streng gegen sich selbst, milde gegen andere. Was Talent betrifft, so mögen wohl Mendelssohn, Sulzer, Abbt, Moritz, Garve, Engel und Biester als die ausgezeichnetsten genannt werden. Moritz ist mir der Liebste. Er leistete viel in der Erfahrungsseelenkunde. Er war von einer köstlichen Naivität, wenig verstanden von seinen Freunden. Seine Lebensgeschichte ist eins der wichtigsten Denkmäler jener Zeit.« Um kein Mißverständnis aufkommen zu lassen: es ist nicht Einfalt, was Heine mit Naivität bezeichnet, sondern Unbefangenheit.
Die Lebensgeschichte des Karl Philipp Moritz, soweit sie in seinem »Anton Reiser. Ein psychologischer Roman« (1785/90) geschildert ist, fällt auch heute noch manchen bei der Nennung des Namens des Verfassers ein; weniger die beiden anderen autobiographischen Romane »Andreas Hartknopf« (1786) und »Andreas Hartknopfs Predigerjahre« (1790).
Es hat lange die