You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Es ist zu berichten über ein Buch voll bemerkenswerter Gegensätze: Auf der einen Seite finden sich glänzende Erörterungen und Überlegungen zur »normalen« und »perversen« Sexualität, in denen vor allem die Begriffe der Geschlechtsidentität, des Traumas und der Aggression in ihrer Bedeutung für Entstehung und Psychodynamik der Perversion ausführlich behandelt werden und die menschliche Sexualität als anthropologisch wesentliche Dimension ins Blickfeld gerückt wird. Auf der anderen Seite lösen allzu journalistische Formulierungen (die teilweise an den »Spiegel«-Stil erinnern), eher verdeckte, aber abfällige Seitenhiebe gegen Freud, die auch durch bewundernde Bekenntnisse nicht kompensiert werden können, manche fragwürdigen Beweisführungen (z. B. um die Unterscheidung von Neurose und Perversion aufzuheben) und schließlich auch längere diffuse und unklare Passagen Ärger und Verdruß aus. Kein Zweifel besteht jedoch an der Tatsache, daß der amerikanische Sexualforscher und Psychoanalytiker ein Thema erörtert, über das er — wie wohl nur wenige andere — nicht nur lange nachgedacht, sondern auch detailliertes empirisches Material gesammelt hat. Ich möchte mich an dieser Stelle daher nicht mit den störenden Aspekten des Buches aufhalten, zumal diese den wirklich interessierten Leser nicht von der anregenden Lektüre des Buches abhalten dürften. Die zentralen Thesen des Buches werden dadurch in ihrem Wert als Basis klinischer und theoretischer Diskussion der Perversion nicht entscheidend