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Schon der Titel verweist auf die doppelte oder zweifache Weise, wie ein biblischer Text gedeutet werden kann. Dabei sind die traditionelle und moderne theologische Methode der Exegese neben der psychoanalytischen und tiefenpsychologisch fundierten Methode der Deutung oder des Verstehens gleichermaßen gemeint. Im Prozeß des Deutens wird der ursprüngliche erste Text zu einem neuen, gedeuteten zweiten Text. Er kann zuweilen »überdeutlich« werden, in der die ihm jeweils eigene Bedeutung, die freilich, je nach der Person des Deutenden, höchst subjektiv ausfällt, ungeahnt lebendig wird.
Das Buch selber zeigt, wie die Methode der »psychoanalytischen Interpretation biblischer Texte« — so der Titel eines vorgängigen Buches des Herausgebers, dessen Fortsetzung unter Beteiligung jüngerer Theologen und Tiefenpsychologen das vorliegende Werk darstellt — funktioniert. Zum Deutlichmachen eines oft schwer verständlichen biblischen Textes genügen oft schon einzelne Elemente der psychoanalytischen Theorie, wie sie zum Beispiel die Entwicklung der Objekt-Beziehung über Oralität, Analität und Genitalität darstellt; in jüngerer Zeit erweitert um die Entwicklung des Selbst, das sich aus der ursprünglich symbiotischen Verschmelzung mit dem Primär-Objekt Mutter durch zunehmende Abgrenzung bildet.
Mit derartigen Theorie-Elementen werden Themen wie die »Speisung der Fünftausend« und der »Mythos der Vertreibung aus dem Paradies« einem neuen Verständnis zugänglich. In dieser Sicht geht es in den genannten Gleichnissen nicht nur um eine offene Auseinandersetzung mit einem gesetzgebenden, gesetzausübenden und strafenden Gott, sondern auch um die individuierende Abgrenzung von einer allmächtigen, alles spendenden, zuweilen aber auch alles verschlingenden Gottheit. In dieser, die moderne Narzißmustheorie der Psychoanalyse einschließenden Perspektive erscheinen auch die Gleichnisse vom verlorenen Sohn und von Jakobs Kampf mit dem Engel als Möglichkeit der Selbstfindung, die dem verheißen wird, der es