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Dieses Buch liefert zunächst eine detaillierte Darstellung der Freudschen psychoanalytischen Methode und Theorie, und zwar in einer Klarheit und Eindringlichkeit, wie sie in der einschlägigen Sekundärliteratur selten zu finden ist. Im weiteren legt der Verfasser eine ebenso klar durchstrukturierte Abhandlung der Jungschen Psychologie vor, was um so höher einzuschätzen ist, als diese Psychologie, in sich selbst vielfach unklar und widersprüchlich, viele Fragen offen läßt. Vor allem aber handelt es sich bei Fetschers Buch um einen ernstzunehmenden Versuch eines Vergleichs der beiden tiefenpsychologischen Schulen. Um das Ergebnis vorwegzunehmen: der Autor kommt zu dem Schluß, daß sich beide Richtungen, was schon in der Einleitung (S. 17) unmißverständlich festgestellt wird, nicht gegenseitig ausschließen müssen, sondern »ergänzen« können.
Während die Grundlinien der beiden tiefenpsychologischen Schulen ohne Schwierigkeiten nachvollziehbar sind, wovon sich der Leser selbst leicht überzeugen kann, verdient der Versuch der gegenseitigen Ergänzung eine ausführlichere Rezension: Hierbei geht es vor allem um die Methoden und Ziele der jeweiligen Verfahren in Richtung auf ein Verständnis psychischer Prozesse, und zwar sowohl im normal-psychologischen als auch im psycho-pathologischen Bereich. Dabei wird jedoch in Fetschers vergleichender Darstellung von Anfang an deutlich, daß die Unterschiede der beiden Schulen vorwiegend in der Person der jeweiligen Urheber zu suchen sind: Freud wird ein vorwiegend kausal-reduktives Vorgehen attestiert, während Jungs Anliegen als final-sinnsuchend gekennzeichnet wird. Der Verfasser sieht im einzelnen bei Freud eine Akzentuierung der formalen Mechanismen auf Kosten der inhaltlichen Aspekte. In der Sicht des Verfassers ist Freud vor allem an den Prozessen interessiert, über die aus dem infantilen Konflikt Symptome, Träume und Übertragungen entstehen. Demgegenüber betone Jung vorwiegend die seelischen Inhalte, die er in der Idee der Archetypen