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Auf den ersten Blick imponiert bei dem Buch der stattliche Umfang und die Vielzahl der behandelten Bereiche. In ca. 50 Seiten umfassenden Kapiteln wird berichtet über The Primal Scene, The Phallic Woman, Anal Eroticism, Olfactory Eroticism, Male Homosexuality, Female Homosexuality, Transvestism and Transsexuality, Masturbation, Impotence and Frigidity, Rape, Paedophilia,
Exhibitionism and Voyeurism, Group Sex, Hallucinogenic Drugs and Sex, Narcotics and Sex.
In den einzelnen Abschnitten stellt Kiell zunächst auf wenigen Seiten einige Aspekte psychologischer Theorien über das jeweilige sexuelle Thema dar, um danach deren »Gültigkeit und Zuverlässigkeit« mit ausführlichen Hinweisen auf literarische Produkte zu belegen. Man findet Zitate von Baldwin, Barth, Bellow, Camus, Colette und Durell, seitenlange Buch-Passagen von Genet, Grass, D. H. Lawrence, Auszüge aus Arbeiten von Roth, Swift, Tolstoj und Updike. Insgesamt werden über 150, größtenteils angelsächsische Schriftsteller und Dichter bemüht, um zu zeigen, wie sexuelle Phänomene dichterisch gestaltet werden.
Eine fleißige Arbeit, auch ganz amüsant zu lesen — soweit man gut Englisch kann. Eine hilfreiche Materialsammlung für jeden, der sich — wissenschaftlich oder literarisch — zum Beispiel gerade mit den Themen Transsexualismus oder Masturbation beschäftigt und Literaturhinweise bis zum Jahr 1975 benötigt. Verdienstvoll ist auch, daß Kiell Themenbereiche abhandelt, die bislang nicht die Aufmerksamkeit zugestanden bekamen, die sie vielleicht verdient hätten, so unter anderem »Erotik und Geruchssinn« oder »Drogen und Sex«.
Problematisch ist Kiells Anspruch, eine »Synthese zwischen Psychosexualität und Dichtung« vorgelegt zu haben. Hier wäre etwas mehr Bescheidenheit anzuraten. 20 Seiten Sexualwissenschaft und 30 Seiten erotischer Literatur ergeben — auch in optimaler Mischung — in dem vorliegenden Band bestenfalls ein wissenschaftlich-literarisches Sammelreferat zum Thema.