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In seinem bekannten Märchen Iris erzählt Hermann Hesse von der Suche des gelehrten Professors Anselm nach dem verlorengegangenen Geheimnis des Kindheitsglücks. Anselm erhält den Auftrag zu dieser Suche von Iris, der Frau, der er einen Heiratsantrag gemacht hat. Zugleich verkörpert die Iris als blaue Blume im Garten der Mutter das symbolische Objekt der romantischen Sehnsucht nach Einheit mit der Natur, letztlich nach der Phase
der Dualunion zwischen Mutter und Kind. In einer phantastischen Vision erlebt der sterbende Anselm am Schluß die ersehnte Wiedervereinigung. Das Ziel der Individuation erweist sich, wie öfter bei Hesse, als ihre märchenhafte Aufhebung. Der Prozeß der Vereinzelung, oft (wie im Demian) als geheimnisvolle Initiation dargestellt, gipfelt in einer Verschmelzung mit der All-Mutter. Was als Apotheose der individuellen Reifung dargeboten wird, ist eine Flucht in mythische Geborgenheit.
Wie sehr zeittypisch dieses regressive Phantasie-Schema ist, inwiefern der eskapistische Kindheitskult und der Irrationalismus dieses Märchens literarische Tendenzen der Jahrhundertwende entsprechen, lehrt uns die Lektüre von Wucherpfennigs Buch, das sich zwar auch am Rande mit Hesse, aber in der Hauptsache mit einem heute fast vergessenen Roman von Friedrich Huch (Mao) beschäftigt.
Freilich, diese Lektüre ist nicht leicht, weil Wucherpfennig in äußerst gedrängter Form die Ergebnisse psychoanalytischer und vor allem auch sozialgeschichtlicher Forschungsliteratur referierend zusammenfaßt, um aus ihnen ein methodisch durchreflektiertes, gesichertes Gerüst für seine Texterklärung zu konstruieren. Die Art, wie er dabei Psychoanalyse und Sozialgeschichte zu einem umfassenden Erklärungsmodell vermittelt, scheint mir vorbildlich. Das Programm dieser Texterklärung ist recht ehrgeizig: »Sie muß also den Geschichtsprozeß als zusammenhängende Entwicklung familialer Sozialisation, sozialer Interessengegensätze, wissenschaftlich-philosophischer Erkenntnis und literarischer Themen u