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In einer Zeit verbreiteter Preußen-Nostalgie in beiden deutschen Staaten müssen auch andere Akzente gesetzt werden. Dies hat Hermann Bortfeldt mit seiner höchst instruktiven, lebendigen und engagierten — also nicht distanziertneutralen — Darstellung der großen Französischen Revolution von 1789 getan, die noch in diesem Jahrzehnt 200 Jahre alt wird. Das Bild dieser Revolution ist ja von konservativen Historikern eher einseitig gezeichnet worden, blutrünstig, terroristisch, so daß die ungeheuren, grundlegenden Fortschritte, die 1789 begonnen und auch unsere Geschichte mitgeprägt haben, oft im allgemeinen Bewußtsein verblassen: »Die Revolution hat uns die bisher höchstzivilisierte Form menschlichen Zusammenlebens gebracht, die bürgerliche Gesellschaft. Diese ist ein empfindliches, antimonistisches Kunstgebilde. Sie folgt nicht dem natürlichen Drang nach Einheit und Geschlossenheit, sondern gründet auf ein dualistisches Prinzip, nach welchem der Staat die Integrität der Person nicht antasten darf, sondern schützen muß, einem Prinzip, von dem aus die Individualität der Lebensgestaltung und die Pluralität der Lebensauffassungen gewährleistet sind… Aber sie hat kein Beispiel dafür gegeben, daß der neue Reichtum, der nach ihr entstand, dazu dienen sollte, einen Rechtsanspruch auf Einkommen zu sichern und damit jeden zum freien Eigentümer, zum Bürger zu machen« (S. 413-415). Damit sind Aktiva und Passiva dieser Revolution noch einmal benannt.
Die Aktiva wiegen wohl schon schwer genug, wenn man bedenkt, daß sie ein absolutistisches System abgelöst haben, in dem nicht nur die Lasten ganz ungleich verteilt waren: Steuern und Abgaben mußten von den Bürgern, schwerste Frondienste von den Bauern geleistet werden, was dazu führte, daß insbesondere Bauern und Proletarier ständig am Rande des Existenzminimums vegetierten, während die einzigen Gruppen »von Stand«, nämlich Geistlichkeit und Adel, Reichtümer anhäuften und provozierenden Luxus entfalteten. Darüber hinaus bestand eine weit