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Beeses Buch versucht eine einführende Darstellung des Problemfelds individueller und gesellschaftlicher Bedingungen der Entstehung von Neurosen sowie ihrer therapeutischen und prophylaktischen Behandlung. Entsprechend weit gespannt ist der thematische Bogen: er reicht von einem entwicklungspsychologischen Abriß und einer allgemeinen Neurosenlehre über die Darstellung und Analyse therapeutischer Verfahren bis zu einer umfangreichen Untersuchung der »Heilungschancen des Neurotikers in unserer Gesellschaft«. Ein ambitioniertes Vorhaben, welches dem Autor jedoch gut gelungen ist. Seine Darstellungen sind durchweg differenziert und mit Augenmaß, ohne unkritisch zu sein. Etwas zu kurz gekommen ist der letzte Teil über gesellschaftliche Neurosenprophylaxe, weil Beese dabei stehen bleibt, einige Folgeprobleme unseres Gesellschaftssystems zu benennen, ohne sie einer näheren Analyse zu unterziehen. So sieht er beispielsweise die Möglichkeit einer indirekten Selbstzerstörung der Industriegesellschaft durch Neurotisierung, aber er denkt diese Perspektive nicht zu Ende und führt sie auch nicht auf ihre strukturellen Ursachen zurück. Trotzdem steht außer Frage, daß das Buch gut gelungen ist. Es spricht für die umfassenden theoretischen und praktischen Kenntnisse des Autors, daß es ihm immer wieder gelingt, anschauliche Beispiele und Schilderungen in übersichtliche theoretische Gliederungen und Übersichten einzuordnen. Schwierig — unabhängig von diesem Buch — ist jedoch die Frage der potentiellen Adressaten: wer von einem guten Buch dieser Art profitieren kann, ist nicht mehr darauf angewiesen, wer es gebrauchen könnte (z. B. die Vielzahl derjenigen, die beruflich mit psychosozialen Problemen konfrontiert werden, ohne direkt therapeutisch tätig zu sein), wird Schwierigkeiten damit haben.