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Die Psychoanalyse hat bekanntlich im Laufe dieses Jahrhunderts einen großen Einfluß auf Medizin, Psychologie und Pädagogik ausgeübt, wobei man u. a. auch in der Kunst, Religion, Ethnologie und Rechtswissenschaft deutliche Zeichen einer psychoanalytischen Beeinflussung feststellen kann. In der Staatsund Rechtstheorie hat z. B. Hans Kelsen die kulturhistorischen Beiträge Sigmund Freuds aktiv aufgenommen und weiterverarbeitet. So erschien sein Aufsatz »Der Staatsbegriff und die Psychoanalyse« im Almanack für das Jahr 1927 des Internationalen Psychoanalytischen Verlags in Wien.
Bei den verschiedenen Psychoanalyse-Rezeptionen, gerade in den an sie unmittelbar angrenzenden Wissensgebieten wie dem der Pädagogik, wird häufig ungenügend berücksichtigt, daß die Psychoanalyse selbst im Verlauf ihrer über achtzigjährigen Geschichte starken Wandlungen unterworfen war, die zum Teil in engem Zusammenhang mit der politisch-ökonomischen Entwicklung unserer Gesellschaft stehen. So hat es beispielsweise in den letzten 10 bis 15 Jahren in der Psychoanalyse eine sehr lebendige Narzißmus-Diskussion gegeben, die noch heute weitergeführt wird. Unter anderen hat Heinz Kohut wichtige Beiträge zu diesem Thema geleistet, und viele Psychoanalytiker, aber auch Pädagogen sehen sich dadurch veranlaßt, ihre Entwicklungspsychologie auf psychoanalytischer Basis zu revidieren bzw. zu ergänzen.