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Das Buch wendet sich mit der Hoffnung an praktische Ärzte, die Gräben zwischen Psychoanalyse und Medizin ein wenig besser zu überbrücken, damit den Patienten nicht nur medizinische, sondern auch ärztlich wirkungsvollere Hilfe zuteil wird. (Vgl. das Vorwort von W. Loch und die ersten Beiträge von A. Trenkel, Luban-Plozza, E. Balint.) Es faßt die Referate des 6. Balint-Treffens in Ascona (Schweiz) zusammen, die am 18. 3. 1978 gehalten wurden. Neben guten Darstellungen der sogenannten Balint-Gruppen im allgemeinen wird man im besonderen über einzelne Fälle informiert und schließlich mit einer linguistischen Auswertung von Balint-Seminaren (Lenga/Gutwinski) konfrontiert.
Obwohl sich das Buch dem praktischen Arzt so ausdrücklich empfiehlt, enthält es auch für Laien anschauliche Beispiele der Schwierigkeiten einer psychologisch sinnvolleren Arzt-Patient-Beziehung. Besonders eindrucksvoll fand ich die Fallberichte aus dem Balint-Seminar, das Wolfgang Loch einige Jahre in Tübingen geleitet hat. Spannend wie in einem Roman werden hier Schicksale skizziert, die das ärztliche Handeln oft zur Ohnmacht verurteilen, dann aber wieder durch Verstehen und Geduld sich zum Besseren wenden. Die Einheit von Kranksein und Lebensführung wird in Fallberichten, in denen der praktische Arzt eine oft jahrzehntelange Bekanntschaft mit einer Familie darstellt, in ihrer zähen Verzahnung und geringen Beeinflußbarkeit deutlich spürbar.
M. Balints Begriff von Krankheit, wonach der Patient sein Leiden in der Krankheit »organisiert«, hat noch kaum Eingang in das Denken gefunden. Dies ist sicher nicht allein die Schuld der Ärzte, die anzuklagen in der heutigen Öffentlichkeit Mode ist, sondern ebenso der Patienten, die Kranksein lieber als von »außen« zugefügt erleben als von »innen« kommend. Das Buch zeigt, wieviel Arbeit noch auf dem Gebiet, das Michael Balint in den fünfziger Jahren beschritt, indem er die Psychologie der Arzt-Patient-Beziehung analysierte, zu leisten ist.