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Mythen (vom Typus des Ödipus-Mythos) sind ein tradiertes Arsenal von Praxismodellen und Wunschverarbeitungsmustern; sie hatten historisch und haben gegenwärtig sozialisatorische Funktion. Sie erzählen von kulturellen Kämpfen, von Fortschritten und vom Preis des Fortschritts, von der Veränderung von Subjektprofilen. Das psychoanalytische Interesse an Mythen verfehlt in der Regel deren historischen Sinn, die historische Differenz zwischen Mythos und Gegenwart. Die historisch-soziologische Interpretation wiederum verfehlt die Dimension des latenten Sinnes der Mythen. Zu wünschen wäre eine Mythendeutung, die historisch differenziert, aber den Interpreten doch psychoanalytisch ins Spiel bringt. Dieser unterliegt selbst einer Geschichte (und Lebensgeschichte), deren Potenzen durch das herrschende Realitätsprinzip in Schach gehalten werden. Kritik daran macht die latente Bedeutung des Mythos verständlich.