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Nachdem sich die Psychoanalyse seit ihrer Gründung stets Anfeindungen hinsichtlich ihrer Theorie der infantilen Sexualität ausgesetzt sah, kommt diese Kritik nun mit dem dritten Buch von Alice Miller aus den eigenen Reihen. Die Autorin bezieht Stellung gegen die Freudsche Triebtheorie, womit sie die Forderung einer Revision psychoanalytischer Theorie und Praxis verbindet.
Ihre zentralen Thesen seien hier kurz zusammengefaßt:
— Die Psychoanalyse als Konfliktpsychologie verfolgt grundsätzlich einen falschen Ansatz. Die Freudsche Theorie der Neurose ist falsch, da sie im Kern der Ätiologie Triebkonflikte annimmt, wodurch die realen Traumatisierungen des Kindes durch die Eltern oder andere Bezugspersonen verleugnet werden.
— In der Konsequenz der Triebtheorie liegt es, den Patienten für seine Neurose verantwortlich zu machen, da er mit seinen Triebbedürfnissen ihre Entstehung verursacht.
— Mit der Triebtheorie wird die Psychoanalyse zu einer Anpassungsdressur, die die äußere Realität nicht hinterfragt und damit unverändert läßt.
— Dementsprechend sind die meisten Analytiker — bis auf wenige Ausnahmen — selber durch triebtheoretisch orientierte Analysen traumatisiert: Sie haben in ihren Analysen meist nur ihr Ober-Ich ausgewechselt und verüben nun wiederum an ihren Analysanden aktiv das vorher passiv Erlittene. Unbewußt sind sie mit den mißhandelnden Eltern identifiziert und bringen in der Analyse das geschädigte Kind zum Schweigen. Sie erklären ihre Patienten mit Hilfe von Triebdeutungen für schuldig.
— Auch die klassische Therapiezielsetzung der Versöhnung mit den Eltern dient der Unterwerfung unter die mißhandelnden Eltern und vermeidet so die Auseinandersetzung mit ihnen.
— Die Freudsche Psychoanalyse ist daher von Grund auf kinderfeindlich.
— Die Psychoanalyse verlangt darum eine neue Behandlungstechnik: Der Analytiker muß seinen Patienten »vollständig und unter allen Umständen« (S. 71) verstehen.
Das Buch fordert die konsequente Parteinahme des Analytikers mit dem mißhandel