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Der große, kräftige Patient, Mittfünfziger, betrat das Sprechzimmer in gedrückter Haltung. Er könne nicht mehr, wisse nicht mehr weiter, es habe alles keinen Sinn. Seine Frau zöge seit Jahren von einer privaten Nervenklinik zur anderen. Depression, so die Ärzte. Dann sein Sohn: am Vorabend habe dieser ihm erklärt, daß er das Haus verlassen werde, auf sein Erbe verzichte und den Vater nie wieder sehen wolle. Der Vater sei an seinen Schwierigkeiten schuld, an der Krankheit der Mutter, der Zerstörung der Familie. Der Vater versuche, alles zu kaufen, alles mit Geld zu lösen. Damit, so der Patient, sei alles vernichtet, was er aufgebaut habe, sein Lebenswerk sei sinnlos geworden, denn ohne Erben ginge die Fabrik in fremde Hände über. Und zu dem Therapeuten: »Helfen Sie mir!« (S. 16).
Mit dieser Beschreibung eröffnet der Freiburger Psychoanalytiker Johannes Cremerius in dem Taschenbuch »Psychoanalyse, Über-Ich und soziale Schicht« die Diskussion dessen, was der Untertitel dieser Aufsatzsammlung die »psychoanalytische Behandlung der Reichen, der Mächtigen und der sozial Schwachen« nennt — ein oft erfolgloses Unterfangen, wie die fünf Aufsätze des an der Abteilung für Psychotherapie und Psychosomatische Medizin der Universität Freiburg Tätigen und seiner Mitarbeiter S. O. Hoffmann und W. Trimborn, Ärzte und Psychotherapeuten am gleichen Institut, rückhaltlos zeigen. Aber warum?
»Die Psychoanalyse war immer eine Therapieform, welche überwiegend von Patienten der sozialen Mittelschicht aufgesucht wurde« (S. 7), schreiben die Autoren im Vorwort. »Sie hat aber auch die Aufgabe, wahrzunehmen und darzulegen, daß sich die gesellschaftlichen Widersprüche in der Psychoanalyse niederschlagen …« (S. 7). Und: »In unseren Diskussionen kamen wir spontan immer wieder auf die jeweilige Ausbildung des Über-Ichs, jene von Freud so genannte innere Instanz der sozialen Werte und Normen, die in der Umgangssprache das Gewissen und die Ideale des Menschen genannt wird« (S. 8). Schon hier beginnt si