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»Vor einigen Jahren hörte ich etwas, das den Verlauf des Berufslebens und des Lebens meiner Patienten verändern sollte«, so schrieb Janov in seiner Einleitung zum »Urschrei« 1970. Er hatte einen Patienten aufgefordert, genau das zu tun, worüber dieser gerade gesprochen hatte: nach Vater und Mutter zu rufen.
»Danny weigerte sich« (S. 9) — aber als er es dennoch versuchte, wurde er unruhiger, krümmte sich unvermutet in heftiger Erregung auf dem Boden, die Rufe nach den Eltern kamen »fast unwillkürlich und laut und schrill aus seinem Mund. Das Sich-Krümmen ging in kleine Zuckungen über, und schließlich stieß er einen durchdringenden Todesschrei aus … Alles, was er mir später sagen konnte, war: »Ich hab's geschafft! Was, weiß ich nicht, aber ich kann fühlen!«« (S. 9).
Janovs neuestes Buch ist einer weiteren theoretischen und empirischen Fundierung dieses Heilungskonzepts gewidmet. Neurose — dies ist eine seiner zentralen Thesen —, Neurose ist nicht nur ein psychisches Phänomen, sondern auch eine biologische Erkrankung, eine Veränderung des Menschen, die den gesamten Organismus betrifft. Neurose, hervorgerufen durch eine Vielzahl von Urschmerz-Erlebnissen und der gleichzeitigen Hemmung ihres Ausdrucks vom Zeitpunkt ihres Entstehens, hinterläßt Spuren nicht nur im seelischen Bereich eines Menschen, sondern gestaltet auch dessen biochemische und neurale, gehirnphysiologische und hormonale Beschaffenheit um. Und nur die Rücknahme auch dieser somatischen Veränderungen vermag von der seelischen Erkrankung zu heilen. Janov: »Die Fleilung der Neurose besteht im endgültigen Ausdruck der gesamten Reaktion auf jene primären Schmerzen, die Funktionsveränderungen verursacht haben« (S. 188). Vor allem Überlegungen zum Endorphinsystem — also zu den körpereigenen Schmerzblockern und Schmerzübermittlern — nehmen bei dieser, wenn man so will, Biologisierung oder Somatisierung des Neurosebegriffs einen breiten Raum ein. In Reaktion auf seelische wie körperliche Schmerzen, so der Autor, antw