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Seit immer offenbarer wird, daß das soziale Zusammenleben der Individuen in der (westlichen) Gesellschaft nicht mehr durch allgemein anerkannte Normen und Werte garantiert wird, vielmehr — nach dem Zerfall religiöser Weltbilder — durch sozialstaatlich gesteuerte Funktionalität, ist der allgemeine Bedarf an »Sinn« deutlich gestiegen.
»Sinn« ist eine knappe Ressource geworden, und die Nachfrage nach ihr ist groß. Daher die allerorten zu beobachtende Hinwendung zu Mythen und Pseudomythen. Denn Mythen (und religiöse Weltbilder) dienen dazu, dem Individuum den Bestand und die Verfassung einer Gesellschaft aus einem obersten Wert zu beglaubigen. Man könnte das die kommunikative Funktion des Mythos nennen, weil sie auf das Verständigtsein der Gesellschaftsteilnehmer untereinander und auf den Konsens ihrer Wertüberzeugungen zielt.
Im Gegensatz zu einer unübersehbaren Flut neuerer und neuester Publikationen, die der Rationalisierung des sozialen Prozesses mißtrauen und eine Re-Mythisierung der Lebenswelt propagieren, steht der Versuch Blumenbergs, die im und vom Mythos geleistete Arbeit als eine Anstrengung im Dienst der Aufklärung, nicht ihrer Zurücknahme zu verstehen. Daß Mythos selbst Aufklärung ist, indem er opaken Naturzusammenhängen einen menschlichen Sinn abtrotzt, hatten schon Horkheimer und Adorno in ihrer Dialektik der Aufklärung erkannt; auf andere Weise ist dies auch die These des französischen Mythologen Claude Lévi-Strauss.
Blumberg, dem wir die — nach Alexandre Koyré — vielleicht wichtigsten Untersuchungen zur Genealogie und Phänomenologie der Neuzeit verdanken (Die Legitimität der Neuzeit, 1966; Die Genesis der kopernikanischen Welt, 1975), hatte schon in seinen früheren Arbeiten das Recht des Menschen auf den Gebrauch seiner angeborenen Neugier (curios