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In der Vielfalt der menschlichen Beziehungskonstellationen hat die Bruder-Schwester-Beziehung, über das Bewußtsein engster Blutsverwandtschaft hinaus, oft eine besondere emotionale Wertschätzung erfahren. »Vollkommenheit herrscht nur in der Verbindung von Bruder und Schwester«, meinte Bachofen. Der Satz hätte als Motto dienen können für diese anregend geschriebene, ohne den Anspruch methodischer Stringenz auftretende Untersuchung der literarischen Gestaltung des Geschwisterpaar-Motivs.
Die Autorin gibt in der Einführung offen zu, daß die Auswahl der von ihr behandelten Werke oft auf zufälliger Begegnung oder persönlicher Neigung beruhte. Daß sie keine Vollständigkeit anstrebte, ist in Anbetracht der Materialfülle selbstverständlich. Doch wäre die Beschränkung auf eine literarische Periode oder auf ein bestimmtes, einheitliches Kulturgebiet wohl fruchtbarer gewesen. Jetzt läßt sich der Eindruck einer etwas willkürlichen Zusammenstellung von capita selecta aus der Weltliteratur nicht ganz von der Hand weisen. Die kaleidoskopische Anlage des Ganzen wird noch dadurch verstärkt, daß diachronische und synchronische Betrachtungsweise durcheinandergehen und daß zeitlich wie räumlich weit auseinanderliegende Kulturen und Epochen als Nährboden für das Bruder-Schwester-Motiv in bunter Reihe einander unmittelbar folgen. Die mangelnde Systematik, die sich auch in dem Verfahren bekundet, bald eine spezifische Motiveinheit (z. B. das tragische Opfer der Schwester) oder ein typisches Handlungsschema (z. B. das Scheitern liebender Geschwisterpaare in der neueren Literatur), bald ein bestimmtes Werk (z. B. Thomas Manns »Wälsungenblut«) oder eine Werkgruppe (z. B. serbische Lieder und Balladen) in den Mittelpunkt eines Kapitels zu stellen, wird aber bis zu einem gewissen Grade durch den Reichtum des Gebotenen und die Lesbarkeit des Stils aufgewogen. Man glaubt es der Verfasserin, daß sie ihre Nachforschungen »spannend« fand.
Nach einer Einführung über die auffallende Häufigkeit einer in