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Rosenthal stellt in seinem bereits 1964 geschriebenen Buch die Geschichte der Judenverfolgung in Deutschland dar. Anlaß für seine Darstellung war die durch R. Hochhuths »Der Stellvertreter« und H. Arendts »Eichmann in Jerusalem« ausgelöste Diskussion um die Kollektivschuld des deutschen Volkes an der Ermordung von über 6 Millionen Juden. Ziel seiner Untersuchung ist nicht die Klärung der Frage, warum gegen die Verfolgung und Ermordung der Juden so wenig Widerstand geleistet wurde, sondern die Frage: »Wie war es möglich, daß eine solche (judenfeindliche) Atmosphäre im »Land der Dichter und Denker« entstehen konnte?« (S. 8).
Diese »judenfeindliche Atmosphäre« in Deutschland führt Rosenthal auf eine seit der römischen Zeit ungebrochene Tradition zurück, die ihren ersten Ausdruck in der religiös motivierten Judenfeindschaft bei einigen Kirchenvätern (z. B. Johannes Chrysostomus und Eusebius) erhielt und in der »Verfolgung der Ungläubigen im eigenen Land« durch die Kreuzfahrer, in den judenfeindlichen Beschlüssen des IV. Lateranischen Konzils von 1215 und in der größten mittelalterlichen Judenverfolgung zur Zeit der großen Pest von 1348/49, die zur Vernichtung und Vertreibung fast aller jüdischen Gemeinden am Rhein führte, den Gipfel erreichte. Bis dahin waren die Juden trotz aller Verfolgungen Bürger; nach der großen Pest verloren sie bis ins 19. Jh. den Bürgerstatus und ihnen wurden nur befristete Niederlassungsrechte (die sog. Stättigkeiten) eingeräumt, die dauernd von Kaisern, Fürsten und Städten für Sondersteuern und Abgaben ausgenutzt wurden. Auch durch die Reformation änderte sich am Schicksal der Juden nichts, da Luther später in verschiedenen Schriften die Juden »unflätig« beschimpfte. Die Zurücksetzung und Verfolgung der Juden setzte sich in Deutschland auch in der Neuzeit fort, und erst durch die Reichsverfassung von 1871 wurden alle noch bestehenden, aus der Verschiedenheit des religiösen Bekenntnisses hergeleiteten Beschränkungen aufgehoben und den Juden voll