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Die Hamadša sind eine der religiösen Bruderschaften, die sich in Marokko seit dem 13. Jahrhundert gebildet haben und zeitweise großen politischen Einfluß hatten. Sie gehen auf Heilige zurück, deren Wirkkraft, die baraka, bis heute in ihren Nachkommen weitergegeben, vor allem aber in den mit Trance-Tänzen verbundenen Veranstaltungen wirksam wird. Der archaische Charakter der Hamadša kommt u. a. darin zum Ausdruck, daß sie sich als Verehrer einer auch sonst im nördlichen Marokko allbekannten weiblichen göttlich-dämonischen Wesenheit, der ‘Ā'iša Quandīša verstehen, die wahrscheinlich eine alte mittelmeerische Göttin ist. Für die Psychologie der (im Gegensatz zu den marokkanischen Berbern) von einseitigen Männlichkeitsidealen bestimmten arabisch-islamischen Gesellschaft wirft das psychoanalytisch interessante Probleme auf.
Das strenge, oft despotische Verhalten des distanzierten arabischen Vaters bietet zunächst wenig Identifikationsmöglichkeiten, verlangt vom Sohn — weibliche — Unterwerfung (mit eventuell analer Komponente) (S. 263, 269). So sind auch die Heiligen keine direkten Identifikationsfiguren, sondern wirken durch (orale) Inkorporation der baraka (Samen) (S. 265). Entsprechend werden Krankheiten als Rückfälle in zu überwindende Weiblichkeit behandelt (S. 263, 266). ‘Ā'iša Quandīša figuriert dabei als Krankheiten verursachend, aber auch, durch ihre Besänftigung, Befriedigung und Integration als heilbringend. Während Crapanzano die Hamadša überzeugend und differenziert unter den psychoanalytischen Gesichtspunkten männlicher Identitätsfindung und Identitätsproblematik in einer spezifischen gesellschaftlichen Situation beschreibt, bleibt Entsprechendes für den Weg weiblicher Identitätsfindung (auch Frauen tanzen in Trance) künftiges Gebiet der Forschung (S. 262).