You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Wir drucken nachstehend die bei der Trauerfeier für Alexander Mitscherlich am 30. 6. 1982 in Frankfurt gehaltenen Reden von Prof. Dr. Jürgen Habermas, des hessischen Kultusministers Hans Krollmann, des Präsidenten der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt a. M. Prof. Dr. Hartwig Kelm, und der Professoren Dr. Iring Fetscher, Dr. Helmut Dahmer und Dr. Clemens de Boor (Leiter des Sigmund Freud-Instituts, Frankfurt a. M.) ab.* (D. Red.)
Liebe Margarete,
Alexander hat die 50er und 60er Jahre die produktivsten und glücklichsten Jahrzehnte seines Lebens genannt. Diese Jahrzehnte seiner größten Kreativität und Ausstrahlung hat er mit Dir in einer Lebensgemeinschaft geteilt, die zugleich eine Denkgemeinschaft gewesen ist. Das letzte Produkt dieser Denkgemeinschaft, die 1975 erschienene »Psychoanalyse für fortgeschrittene Anfänger«, trägt den Titel »Der Kampf um die Erinnerung«. Dieses Wort hat in den letzten Jahren, in den Jahren nachlassender Kräfte, die Du ebenfalls mit Alexander geteilt hast, eine andere, unbeabsichtigte Bedeutung erhalten. Während der letzten Begegnung mit seinem Sohn Tommy hat Alexander darauf bestanden, er müsse um die Vergangenheit, die erinnernde Vergegenwärtigung der Vergangenheit kämpfen - und wir alle müßten das. Auf mich hat, bei unseren letzten Besuchen, den stärksten Eindruck gemacht: daß Alexander inmitten eines unaufhaltsamen, die Funktionen des Gedächtnisses angreifenden Krankheitsgeschehens das unerbittliche Instrument der ärztlichen Selbstbeobachtung gebraucht hat, um die Lücken in seiner Sprach- und Ausdrucksfähigkeit durch ein reflexives Verhalten zu schließen. Er hat die humanisierende Kraft der Erinnerung auch auf diese Weise noch genutzt und bewiesen, daß ein Versagen seinen humanen Charakter behält, solange es sich im Medium des Selbstbewußtseins vollzieht. Die außerordentliche Sensitivität für die Verse