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Sehr verehrte Frau Mitscherlich, werte Anwesende,
mit Alexander Mitscherlich haben wir einen bedeutenden Wissenschaftler verloren, einen großen Arzt und einen leidenschaftlichen Demokraten.
Im Namen des Ministerpräsidenten übermittele ich den Angehörigen und Freunden die große Anteilnahme der Landesregierung.
Für Alexander Mitscherlich waren Wissenschaft und Erziehung: Heilkunst am beschädigten Menschen, wie er ihn vorfand am Ende des Krieges. Die seitdem vergangenen mehr als 3 Jahrzehnte haben uns deutlich gemacht, daß die Sorgen und Leidenschaften Alexander Mitscherlichs unser aller Schicksal sind: »Medizin ohne Menschlichkeit«, »Die Unwirtlichkeit unserer Städte«, »Auf dem Weg zur vaterlosen Gesellschaft«, »Die Unfähigkeit zu trauern«, »Krankheit als Konflikt« - die Titel seiner großen Bücher sprechen vom immerwährenden Versuch, den einzelnen Menschen im technischen Massenzeitalter nicht der Wirklichkeit der übermächtigen Apparate zu opfern, sondern ihn auszurüsten zum Standhalten, ihn gesund zu machen und tatkräftig für die Aufgabe, die Belange des einzelnen zu versöhnen mit denen der Gemeinschaft.
Gestatten Sie mir, einen Wendepunkt der wissenschaftlichen Laufbahn Alexander Mitscherlichs herauszugreifen, der eng verbunden ist mit den politischen und wissenschaftlichen Anstrengungen im Hessen der Nachkriegszeit. Das war die Errichtung des Sigmund-Freud-Instituts hier in Frankfurt am Main.
Die Kabinettsvorlage für die von Georg-August Zinn geführten Landesregierung aus dem Jahre 1959 führt hierzu aus: »Die Zielsetzung des geplanten Instituts überschreitet den Bereich der Medizin. Die Psychoanalyse ist eine Teilwissenschaft einer sich entwickelnden Anthropologie. Von der fürderung dieses Wissenschaftszweiges dürfen wesentliche Erkenntnisse erwartet werden, und zwar nicht nur im Bereich der Medizin, sondern auf dem Gebiet der Psychologie, der Erziehungswissenschaften und der Rechts- und Sozialwissenschaften.«
Im Rückblick ist festzuhalten, daß es dem Land Hessen mit der