You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Sehr verehrte Frau Dr. Mitscherlich,
sehr verehrte Angehörige,
sehr geehrte Trauergäste,
die Johann-Wolfgang-Goethe-Universität trauert um Prof. Dr. Alexander Mitscherlich. Er forschte und lehrte an dieser Hochschule vom 8. März 1967 bis zu seiner Emeritierung Ende September 1973.
Als er dem Ruf auf den hiesigen ordentlichen Lehrstuhl für Psychologie, insbesondere Psychoanalyse und Sozialpsychologie, folgte, hatte er sich um die Institutionalisierung der Psychoanalyse und der Psychosomatik bereits größte Verdienste erworben. Die Eröffnung der Abteilung für Psychosomatische Medizin an der Heidelberger Universität im April 1950 kann als Pioniertat gelten, und auch die Rehabilitierung der Psychoanalyse im Nachkriegsdeutschland ist wesentlich sein Werk.
Als Arzt, als der Mitscherlich sich bei seiner Arbeit immer verstand, hat er auch die Leiden und Krankheiten unserer Gesellschaft diagnostiziert und sich gerade in seiner Frankfurter Zeit, die politisch äußerst bewegt war, oft zu Wort gemeldet, nicht nur als Wissenschaftler, sondern auch als zutiefst besorgter Moralist. Dabei ist er auch unangenehmen Auseinandersetzungen niemals aus dem Weg gegangen.
Im gemeinsamen Buch von Alexander und Margarete Mitscherlich heißt es: »In der Trauer versuchen wir … auch den Idealen dieses Menschen, der uns genommen wurde, nachzueifern.«
Wir trauern heute um einen Wissenschaftler, der uns Ideale nicht nur formuliert, sondern auch vorgelebt hat.