You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Liebe Frau Mitscherlich,
verehrte Trauergäste,
wir müssen heute Abschied nehmen von Alexander Mitscherlich, und unsere Empfindungen werden beherrscht von Erinnerungen und Trauer. Jedem, der in seiner Nähe gelebt und gearbeitet hat, ist dabei bewußt, daß einer der Großen unserer Zeitgeschichte nicht mehr unter uns ist. Ein Mann mit der geistigen Kraft und Ausstrahlung, wie Alexander Mitscherlich sie besaß, hat verständlicherweise zu unterschiedlichen seelischen Verinnerlichungen seines Wirkens und seiner geistigen Zielvorstellungen Anlaß gegeben. Ich habe ihn vor mehr als 30 Jahren als Arzt und Psychoanalytiker kennengelernt und seitdem mit ihm zusammengearbeitet. Wir alle in der Heidelberger Psychosomatischen Klinik waren mit ihm begeistert von der Vision, im Nachkriegsdeutschland zwischen Chaos und Neubeginn mit Hilfe von Sigmund Freuds Psychoanalyse eine neue Form des Zugangs zum Verständnis von Krankheit zu gewinnen und kranke Menschen zu behandeln. In dieser Zeit wurde Alexander Mitscherlich zum Lehrer und zum Ermutiger für eine ganze neue Generation von Psychoanalytikern.
Aber weit über unseren Heidelberger Kreis hinaus hat er eine entscheidende Bedeutung für die Psychoanalyse in Deutschland dadurch bekommen, daß nur er dazu fähig war, durch seine menschliche Integrität und seine kreative geistige Energie für uns alle den Weg in die internationale psychoanalytische Gemeinschaft wieder zu öffnen. Jeanne Lampl-de Groot und Paula Heimann, Franz Alexander, Willi Hoffer und Michael Balint, um nur einige Namen zu nennen, schenkten ihm ihre Freundschaft und uns allen die Möglichkeit, von ihnen zu lernen.
Die Gründung des Sigmund-Freud-Instituts war für ihn eine Sternstunde auf seinem Lebensweg. Hier war für ihn ein Zentrum entstanden, an dem er als psychoanalytischer Lehrer, als Arzt und als Wissenschaftler das breite Spektrum seiner Interessen und seines leidenschaftlichen Engagements ausschöpfen und verwirklichen konnte. Die Struktur, die er dem Institut gegeben hat, so